Die schnell formierte Armee von 1813 die Cohorten der Nationalgarde

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Die schnell formierte Armee von 1813 die Cohorten der Nationalgarde

Beitrag von Tiziateur »

Die französische Nationalgarde und die Cohorten

Teil 1
Wie war es Napoleon möglich innerhalb so kurzer Zeit 1813 eine so schlagkräftige Armee aufzubauen? Einerseits wurden die Aushebungen der Jahrgänge vorgezogen, die Levee en Masse. Das waren aber Rekruten die nicht ausbildet waren und erst geformt werden mussten. Es wurden sämtliche, schon ausgebildete Küstenbatterieeinheiten und andere stationäre Einheiten aus dem Land ausgedünnt mit bereits vor- ausgebildeten Soldaten, deren Stellen personell durch Rekruten dann wieder aufgefüllt wurden, welche dort intensiver als im Feld während des Marsches ausgebildet werden konnten. Aber das war nicht alles.
Was heute vielfach “übersehen“ wird ist der Umstand, das es in Frankreich schon eine Art ausgebildete „Reservearmee“ gab: DIE NATIONALGARDE MIT IHREN 1812 ZUSÄTZLICH FORMIERTEN COHORTEN.

Ich habe mich mit dem Thema intensiver befasst, als ein guter Freund, Herr Andreas Fischer, mir in einem Chat die Frage stellte: „Welche Einheit der Nationalgarde in welches Regiment integriert wurde“. Der Zufall wollte das ich zu diesem Zeitpunkt etwas Zeit hatte das genauer auszuarbeiten. Ein Thema welches mich selbst sehr interessierte. Ich habe da einige Quellen dazu gelesen, wobei ich besonders die sehr gute Quelle zu diesem Thema hervorheben möchte:
NAPOLEONS GRANDE ARMEE OF 1813 von SCOTT BOWDEN.
Eine Quelle die an sich in jede Quellensammelung gehört von Leuten die sich mit 1813 beschäftigen.
Durch mein Zuarbeiten an Herrn Fischer und durch sein Wissen ergab sich sehr viel wissenswertes Detail zu dem Thema. Es wäre zu schade das nicht zu veröffentlichen.
Also ist das was ich hier poste aus einer Zusammenarbeit von uns beiden entstanden.


Erläuternd zur Hauptquelle NAPOLEONS GRANDE ARMEE OF 1813 ist noch zu erwähnen, woher der Autor Scott Bowden sein Quellenstudium betrieb. Scott Bowden bezieht sich auf das Militärarchiv Vincennes also einer absoluten Primärquelle. Er hat dort große umfassende Studien betrieben.

Die Nationalgarde (Zusammefassung von Günter Franke)
Die Nationalgarde war im eigentlichen eine schnell, in der jeweiligen Herkunftsregion, zu formierende Truppe, die regelmäßig trainiert wurde und zu polizeilichen Einsätzen sowie Bekämpfung von Kleinaufständen herangezogen werden konnte. Einen eigentlichen Kader für die Linienregimenter bildete sie nicht, die bildeten ihre Rekruten parallel dazu in ihren Depotbataillonen aus. Sicher gab es Versetzungen aus den Reihen der Nationalgarde zu den Linienregimentern, aber das war nicht die Regel, es war eher eine Reservearmee neben der bestehenden Armee.
Sie sollte erst eine schnelle Eingreiftruppe in der jeweiligen frz Region sein.
Im März 1812 kam Napoelon auf die Idee zur Bildung von Cohorten, neben der Nationalgarde. Er erließ am 12.03.1812 ein entsprechendes Dekret.
Die Bildung von COHORTEN.
Die Idee war man bildet innerhalb der Nationalgarde eine neue, schnell greifbare Kleinarmee heran. Die Cohorte gehörte an sich nicht mehr der Nationalgarde an, weil die Ausbildung bei diesen Cohortensoldaten verstärkt werden sollte. Besonders in den Evolutionen der Peloton und Bataillonsschule. Dazu wurden dann auch, zur Ausbildung dieser Cohorten, aktive Offiziere aus den jeweiligen Regimentern abgesandt, sowie viele willige Veteranen Offiziere aus den jeweiligen Regionen.
Eine Region (in diesem Fall ein so genannter Militärbezirk, Division Militaire) konnte je nach Größe der Region aus mehreren Cohorten bestehen.
Vorerst sollten 100 Cohorten gebildet werden, es wurden insgesamt 88 daraus.

WIE SAH DER AUFBAU EINER COHORTE AUS?
Eine Cohorte sollte aus 6 Fusiliercompanien, 1 Depotcompagnie sowie 1 Artilleriecompagnie gebildet werden. Die Sollstärke war vorgesehen für eine Fusiliercompagnie 140 Mann, die Depot- und Artilleriecompagnie sollten je 100 Mann haben. Bedingung war, diese Cohorten sollten unbedingt in den Grenzen des Kaiserreiches gebildet werden. Es wurden wurden also hauptsächlich dazu Soldaten der Nationalgarde verwendet, aber auch Freiwillige, die bislang nicht durch Aushebungen gezogen wurden. Es war ja bekannt das sie während der Ausbildung somit in Ihren Wohn- Regionen verblieben und nicht nach Spanien oder sonst wo gehen mussten. Die meisten kamen aber aus der Nationalgarde.
Es wurden dazu drei sogenannte BAN gebildet. BAN 1 waren 20-26 jährige, BAN 2 waren 26-40 jährige und BAN 3 waren 40-60 jährige noch kräftige, wehrfähige Männer.
Die Cohorten wurden nun intensiver als die eigentliche Nationalgarde ausgebildet, standen aber im Bedarfsfalle der Nationalgarde zur Verfügung. Wenn man dies nun genauer in Betracht zieht, gehörten diese Cohorten nicht mehr de Fakto zu der Nationalgarde, weil die Cohorten wesentlich besser, intensiver ausgebildet wurden.
Es ga dann gleich bei der Formierung im März 1812 den Befehl die erwählten Soldaten gesondert zu kleiden durch eine gesonderte Uniform. Sie erhielten die Standart Fusilieruniform der Linieninfanterie und die der Linienartillerie, mit kleinen Abweichungen.
Das war natürlich ein genialer Schachzug Napoleons. Somit hatte er in der Heimat den sofortigen Rückgriff auf ca 90.000 gut ausgebildete Soldaten, die er dann natürlich, umgehend im Bedarfsfalle, der Nationalgarde entziehen würde.
Die Knöpfe der Nationalgarde und den Cohorten waren jedoch silbern und nicht wie üblich bei den Linienregimetern in Messing. Wir kommen dazu später noch mal speziell.
Diese ca 90.000 urden jedoch nie erreicht, im Jahre 1812 wurde die Zahl von immerhin 78.000 erreicht. Das ganze Jahr 1812 wurden die Cohorten speziell ausgebildet.

DIE ÜBERSENDUNG DER COHORTEN ZUR GRANDE ARMEE
Am 11.01.1813 erließ Napoleon ein Dekret um diese Cohorten aus der Nationalgarde heraus zu lösen und 22 neue Linien Infanterie Regimenter und 3 Linien Fuß Artillerie Regimenter zu bilden. Die Soldaten sollten komplett mit ihren Uniformen zu bestimmten Räumen marschieren, um dort die neuen Regimenter zu bilden. Es waren die die neuen Linienregimenter 135- 156.
Die Depotcompanien der Cohorten verblieben als Depot des neuen Regimentes im Kaiserreich. Was geschah nun mit den gut ausgebildeten 88 Artillerie Cohorten Companien? Nun, Napoleon hielt sehr viel von einer Ausstattung eines Linien Infanterie Regimentes mit mobiler zusätzlicher Feuerkraft. Hatte doch schon jedes Linien Regiment des 1. Corps 1812 schon eine unterstützende Artilleriecompanie (zumeist aus 2 bespannten Kanonen, oftmals österreichischer Herkunft). So ordnete Napoleon per Dekret an, das 22 von den 88 Artilleriecompanien, in den Uniformen der Linien Fuß Artillerie mit silbernen Knöpfen, zu den neuen oben aufgeführten Linienregimentern 135-156 geführt werden sollten. Damit wäre bewiesen, das diese Regimeter 1813 eine attachierte Artilleriecompagnie hatten. Die restlichen 66 Cohorten- Artilleriecompagnien wurden dann zur Bildung der drei neuen Fuß Artillerie Regimenter verwendet.
Somit hatte Napoleon binnen kurzem eine schlagkräftige, gut ausgebildete Truppe von ca 80.000 Mann zur Verfügung. Übrigens kamen sogar vier der 66 verbliebenen Artilleriecompanien zur Artillerie der jungen Garde.
Im Falle der Bildung des 134. Linien Infanterie Regimentes ordnete Napoleon an die beiden Bataillon der Garde Municipale de Paris zu verwenden. Sie wurden nach Erfuhrt beordert und dort mit teilen der 69eme, 76eme und 79eme Ligne zur neuen 134eme Ligne formiert.
Um seine alte bestehende Armee aufzufüllen wurde selbige wie oben beschrieben, nach dem alten System, aufgefüllt. Es wurden auch bestehende Bataillone in den Companiestärken leicht verringert um neue Bataillone zu bilden, es wurden sehr stark die Bewachungscompanien der Schiffe abgezogen. Regimenter mit sehr vielen Bataillonen gaben diese zu Neubildungen ab. Festungsgarnisonen, wurden verschmälert, besonders der Küstenforts usw. Mit Sicherheit gab auch hier die bestehende Nationalgarde Soldaten zu den alten Linien Regimentern ab.
Die Nationalgarden der Regionen wurden quasi „ausgenommen“ aber nicht vollständig aufgelöst. Sie mussten ja weiterhin im Kaiserreich die schnelle Sicherheit gegen Aufstände gewährleisten.
Die Armee wurde auch dadurch verstärkt das man wie schon früher üblich provisorische Demi Brigaden bildete aus verschiedenen Bataillonen bestehender Regimenter. Zum Beispiel das Korps Augerau bestand 1813 aus vielen dieser Demi Brigaden (siehe hierzu meine Ausarbeitung zum Reitergefecht von Wetau in diesem Forum.)
Frontseite der Hauptquelle <br />Napoelons Grande Armee of 1813 von Scott Bowden
Frontseite der Hauptquelle
Napoelons Grande Armee of 1813 von Scott Bowden
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Rückseite der Hauptquelle
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Re: Die schnell formierte Armee von 1813 die Cohorten der Nationalgarde

Beitrag von Pêcheur »

Hallo Tiziateur! Danke für die umfassende Ausarbeitung! Dies erklärt, warum auf 1813er Schlachtfeldern Knöpfe der Nationalgarden gefunden wurden! 👍🏻
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Re: Die schnell formierte Armee von 1813 die Cohorten der Nationalgarde

Beitrag von Tiziateur »

Teil 2
Woher kamen die einzelnen Cohorten der Nationalgarden und zu welchen Regimentern wurden sie?

Linienregiment Nummer
Cohorten Nummer Herkunftsregion der Cohorte

135eme Ligne
1. Seine
8. Asine
9. Eure-et-Loir, Lorient
11. Seine et Marne

136eme Ligne
12. Seine- et- Oise
13. Ardennes, Marne
14. Marne, Meuse
67. Indre- et- Loire, Loir- et- Cher

137eme Ligne
2. Rome, Traisimène
84. Apennins, Taro
85. Gènes, Montenotte
86. Arno, Ombrone. Mèditerranèe

138eme Ligne
44. Calvados
45. Manche
46. Orne
64. Cher, Nièvre

139eme Ligne
16. Meurthe
17. Vosges
64. Allier, Creuse
65. Indre, Haute-Vienne

140eme Ligne
40. Finistére
41. Cotes-du-Nord
42. Ille-et-Vilaine
43. Morbihan

141eme Ligne
37. Charente-Inférieure, Vendèe
38. Loire-Infèrieure
39. Deux-Sèvres, Vienne
61. Charente, Dordogne

142eme Ligne
5. Gironde
36. Landes, Basses-Pyrènèes
62. Corrèze, Dordogne
63. Lot-et-Garonne, Lot

143eme Ligne
28. Hèrault
29. Aveyron
30. Ardèche, Lozère
31. Gard, Tarn

144eme Ligne
32. Haute-Garonne
33. Ariège, Hautes-Pyrènèes
34. Gers, Tarn-et-Garonne
35. Aude, Pyrènèes-Orientales

145eme Ligne
6. Bouches-du-Rohne
23. Isère
24. Hautes-Alpes, Drome
25. Lèman, Mont-Blanc

146eme Ligne
3. Zuyderzèe
76. Meuse-Inférieure, Lippe, Bouches.de.Rhin
77. Roer
88. Bouches-de-la-Meuse, Issel-Supérieur

147eme Ligne
15. Forets, Moselle
71. Dyle, Bouches-de-l`Escaut
78. Dutre, Sambre-et-Meuse
87. Ems-Oriental, Ems-Occidental,
Bouches-de-l` Issel, Frise

148eme Ligne
72. Escaut
73. Escaut, Jemmapes
74. Jemmapes
75. Deux-Nèthes

149eme Ligne
47. Seine-Inférieure
48. Eure
49. Somme
79. Mont-Tonnerre

150eme Ligne
68. Maine-et-Loire
69. Mayenne
80. Rhin-et-Moselle
81. Sarre

151eme Ligne
7. Bouches-.de-l´Elbe,
Bouches-du-Weser
50. Ems-Supérieur
51. Nord
52. Lys

152eme Ligne
18. Bas-Rhin
19. Haut-Rhin
53. Pas-de-Calais
54. Pas-de-Calais

153eme Ligne
55. Cote-d´Or
56. Aube, Haute-Marne
57. Saone-et-Loire
58. Yonne

154eme Ligne
4. Rhone, Loire
20. Ain, Doubs
21. Jura
22. Haute-Saonne

155eme Ligne
10. Oise
59. Cantal, Haute-Loire
60. Puy-de-Dome
70. Sarthe

156eme Ligne
26. Basses-Alpes, Alpes-Maritimes Bauchause
27. Var
82. Doire, Po, Sesia
83. Marengo, Stura


Was ich als deutscher Reenactor bei dieser Aufstellung gut finde, ist das man als Deutscher, deutschsprachiger, sehr viele frz Regimenter nachweislich darstellen kann, da j ganze deutsche Cohorten in die Linienregimenter integriert wurden, ausser der 127eme, 128eme und 129eme welche ja fast ausschließlich aus Deutschen bestanden. Aber dabei nie vergessen, die Kommandosprache war immer französisch.
Zuletzt geändert von Tiziateur am Mo Sep 27, 2021 5:35 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die schnell formierte Armee von 1813 die Cohorten der Nationalgarde

Beitrag von Tiziateur »

Ein Knopf des 1. BAN Quelle Foto A.Fischer
Ein Knopf des 1. BAN Quelle Foto A.Fischer
TEIL 3
Details zur Uniformierung. (Zusammenarbeit von Günter Franke und Andreas Fischer)
Wie wir ja bereits gelesen haben, war die Uniform der Cohorten die gleiche wie die der Fusiliere der Linieninfanterie, sowie die der Linienfußartillerie. Es gab da wenige Abweichungen. Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale waren die Knöpfe der Nationalgarde, welche wir hier auch in Bildern darstellen. Sie waren silberfarben, entgegen den üblichen Messingknöpfen der Linie. Auch die Bleche an den Tschakkos waren anders.
Wie sah dies nun wohlmöglich im Feld aus? Wurden die neuen Regimenter sogleich mit neuen Knöpfen und Blechen in den Feldzug 1813 geschickt? Schauen wir mal, was wir da an Beweisen haben!
Die Manufakturen der Zeit waren schon in der Lage recht schnell und viel zu produzieren, jedoch war der Focus erst auf die Bewaffnung gelegt, die Uniform war da eher zweiten Ranges in der Beschaffung. Da ich aus eigener Erfahrung, dem nähen von Uniformen weiß, das man recht schnell einen Bardin Uniformrock eines Fusiliers durch ein paar geringfügige Änderungen in den eines Voltigeurs oder Grenadiers umzuwandeln, ist davon auszugehen, das diese Umwandelung bei den meisten der neuen Regimenter auch ausgeführt wurden. Voraussetzung war das ausreichende Vorhandensein entsprechender Epauletten. Die Rockschoß N der Fusiliere wurden auch schnell und ohne großen Aufwand abgetrennt und durch Jagdhörner oder flammende Granaten ersetzt. Diese Rockschoßornamente der späteren Armee bei den einfachen Soldaten, waren meistens nicht gestickt, sondern waren aus Stoff ausgeschnitten und entweder auf ein Stück weißen Stoff aufgenäht, welches dann wiederum auf die Rockschöße geheftet wurde oder es wurde der ausgeschnittene Stoff direkt auf die Rockschöße geheftet, was aber eher seltener der Fall war, wenn man sich originale Rockschöße ansieht. Das war also schnell, ggf sogar vom Soldaten selber zu erledigen. Die Schulterpatten der Fusiliere konnten auch schnell entfernt werden, Schlaufen auf die Schultern und Epauletten eingezogen. Also auch dies war unheimlich schnell zu bewerkstelligen, insofern genügend Epauletten zur Verfügung standen. Man sollte dabei auch nicht aus den Augen verlieren das es sich pro neuen Bataillon ja auch nur um zwei Kompanien handelte, die „umgerüstet“ werden mussten.
Mein Fazit bei der Faktenlage ist, die entsprechenden Rockschoßornamente waren schnell und sehr einfach zu ersetzen. Das wird mit Sicherheit auch Fast überall der Fall gewesen sein. Das aufsetzen der Epauletten wird da schon Abweichungen haben, je nach Beständen der jeweiligen Regionen, zumal auch bei den Voltigeuren, welche ja an sich nach Regelement nur noch gelbe Schulterklappen mit blauer Paspel erhalten sollten und auch nicht mehr das Sabre Bandolje tragen sollten, sondern so wie die Fusiliere nur noch das Patronentaschen Bandolje mit Bajonett Schuh. Hier werden sicherlich nicht alle Bataillone vollständig ausgerüstet sein. Nun werden viele die Stimme erheben und sagen, ja aber die Fusiliere werden alle nur die gelben Schulterklappen nach dem neuen Regelement getragen haben. Dazu möchte ich hier anmerken, in jeder Armee der Welt gibt es Vorschriften, doch wir alle wissen, das der Mensch sich immer Auslegungsmöglichkeiten offen hält. Es wird bei der Formierung dieser neuen Regimenter genauso gewesen sein. Jeder Oberst tat sein bestes „sein“ Regiment so gut und auffällig wie möglich uniformiert zu haben. Es wird also einzig und allein davon abgehangen haben, was an Material zur Verfügung stand. Also Fazit mit den Epauletten, hier wird es Unterschiede gegeben haben.
Kommen wir nun zu den nicht so schnell zu ersetzenden Knöpfen und Tschakkoblechen. Das größte Problem hier war, es gab ja noch keine Prägestöcke für die neuen Regimenter. Die Regimenter mussten aber schnell ins Feld geführt werden. Aber wie kommen wir hier zu beweisen wie die Wirklichkeit war?
Hier kommt Andreas Fischer mit seinem Wissen sehr schwerwiegend ins Spiel.
Einige der neuen Regimenter kamen ja bereits im Februar 1813 ins Gefecht mit dem Zug Vandammes auf Hamburg. Es ist also anzunehmen das die meisten der neuen Regimenter noch keine neuen Knöpfe trug, noch neue Tschakkobleche. Auch was die Messing Ornamente der Voltigeur Hörner und der flammenden Granaten auf den Patronentaschen betraf wird es Abweichungen je nach Verfügbarkeit gegeben haben. Es ist also anzunehmen das die Regimenter im Zuge des Feldzuges 1813 erst ihre eigenen Regimentsknöpfe und Tschakkobleche bekommen haben.
Nach dem Fallou „le bouton uniforme Francais“ gab es sogar für die BAN eigene Knöpfe! Es existieren aber laut Fallou nur Knöpfe von 1. BAN und nicht vom 2. BAN und vom 3. BAN. (siehe Bilder) Die eigentliche Nationalgarde, darauf sei hier noch mal hingewiesen hatte eigen Knöpfe, wo jeweils die Region darauf eingeschrieben war! Wir betrachten hier aber die Formierung der neuen Linienregimenter, als betrachten wir von nun an nur noch die Cohorten der Nationalgarde, nicht mehr die Departements Nationalgarden, welche ja weiter bestanden, mit Sicherheit aber hauptsächlich aus Felduntauglichen oder Soldarten die ein zu hohes Alter hatten.
Sichten wir Quellen oder Orde de Batailles des frühen 1813er Feldzuges so finden wir oft noch die an sich nun falsche Schreibweise der Cohorten. Diese existierten nun ja nach der Formierung der neuen Regimenter nicht mehr! Suchen wir nach Namen der gefallenen oder verwundeten Offiziere, so finden wir diese nur unter den neu formierten Regimentern. Herr Fischer verfügt über mehrere originale Knöpfe und über das Wissen, wo die Knöpfe gefunden wurden. Da ist für unsere Uniformrecherche sehr wichtig!
Herr Fischer berichtet das auf dem Schlachtfeld von Großgörschen (2.Mai 1813) sehr viele silberne Knöpfe gefunden wurden mit der Aufschrift „1er BAN DE LA GARDE NATIONALE“ ebenso wurden vermehrt Revolutionsknöpfe und Knöpfe der Marineartillerie gefunden. Auf dem Schlachtfeld von Leipzig 14.-19.Oktober 1813 finden sich aber diese Knöpfe eher selten. Das also beweist, dass die Regimenter mit neuen Knöpfen während des Feldzuges ausgerüstet wurden! Das wird bei den Tschakkoblechen nicht anders gewesen sein. Aber nun zu sagen das alle der neuen Regimenter noch keine neuen Regimentsknöpfe hatte in Großgörschen ist auch falsch. Herr Fischer bereichtet weiter dass auf dem Schlachtfeld von Großgörschen bei Rahna wurden auch Knöpfe der 136eme und 142eme Ligne, also von den neuen Regimenter gefunden, was beweist, das zumindest einige, oder Teile dieser Regimenter schon die neuen Knöpfe wahrscheinlich auch Taschakkobleche hatte.

Welche Rückschlüsse können nun daraus ziehen?
Zum einen war erst gegen Ende des Feldzuges der größere Teil der neuen Regimenter mit entsprechenden Regimentsknöpfen ausgestattet, das andere ist das alle diese neuen Regimenter über attachierte Artilleriekompanien verfügten.
Was wir nicht beweisen können, ist wann die Umwandelung genau stattfand und ob wirklich alle Artilleriekompanien über die entsprechende Anzahl an Kanonen verfügten und inwieweit die Elitekompanien wirklich alle mit Epauletten ausgestattet waren. Das bleibt der Vermutung überlassen. Es stellt aber demjenigen, der Figuren dieser Regimenter bemalt, oder eine Uniform rekonstruiert entsprechende, belegbare Beweise auf.
Was nun die Artilleriekompanien betrifft so halte ich es für sehr wahrscheinlich das alle Regimenter mit der entsprechenden Anzahl an Kanonen ausgestattet waren, es wären ja nur 44 Stück erforderlich gewesen hierzu.

Als kleiner Hinweis, wie lange sich der Zustand mit den verschiedenen Regimentsknöpfen und Tschakkoblechen hielt, sei auf folgenden Fakt hingewiesen. Auf dem Schlachtfeld von Waterloo wurden auch jede Menge verschiedenartiger frz Knöpfe gefunden, welche nachweislich nicht offiziell an der Schlacht beteiligt waren. Es wurde nun auch ein Knopf der 127eme Ligne in der Nähe des Belgierdenkmales gefunden. Das Regiment war aber offiziell im Mai 1814 aufgelöst worden! Wie kommt nun aber der Knopf dorthin? Das kann ich genau beantworten, da ich mich bis ins Detail mit der 127eme Ligne befasst habe. Er gehört zu einem Angehörigen des 1. Bat. 127eme Ligne, dieses Bataillon wurde nach der Auflösung des Regimentes komplett zur 19eme Ligne versetzt, deren Angriffsrichtung im Korps d`Erlon mit der Fundstelle „in der Nähe“ des Belgierdenkmales absolut zusammen passt. Es heißt also nichts anders als das über 1 Jahr nach Auflösung des Regimentes noch Uniformen der 127er getragen wurden. Die Uniform an sich unterschied sich ja optisch kaum von den anderen Bardin Uniformen, eben nur in Detail und besonders bei den Knöpfen und Tschakkoblechen. So kann ein kleiner Knopf Geschichte schreiben.

Ich finde diese zusammengetragenen Fakten als sehr interessant wenn man sich mit dem Feldzug von 1813 befasst.
Ich hoffe der Bericht findet geneigte Leser, vielleicht auch ein wenig Resonanz. Ich würde mich darüber freuen.

Quellenangabe:
- Louis Fallou „Le Bouton Uniforme Francais“

- Napoléon 1813 La Campagne d´ Allemagne, Jean Tranié und J.C. Carmigniani
- Napoleons Regiments, Digby Smith 2000
- Napoleons Grande Armée of 1813, Scott Bowden 1990
- Tableaux Par Coprs et par Batailles des Officiers Tués et blesse pedant la Guerre de l´Empire 1805 – 1815 (Martinien Tableaux), A.Martinien ca. 1890
- Tableaux Par Coprs et par Batailles des Officiers Tués et blesse pedant la Guerre de l´Empire 1805 – 1815 LISTE SUPPLÉMENT (Martinien Tableaux Ergänzungslite), A.Martinien 1909
Ein Knopf des 1. BAN Quelle Foto A.Fischer
Ein Knopf des 1. BAN Quelle Foto A.Fischer
Einer der Knöpfe gefunden in Großgörschen Quelle Foto A.Fischer
Einer der Knöpfe gefunden in Großgörschen Quelle Foto A.Fischer
Quelle Louis Fallou &quot;Le Bouton Uniforme Francais&quot;
Quelle Louis Fallou "Le Bouton Uniforme Francais"
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Re: Die schnell formierte Armee von 1813 die Cohorten der Nationalgarde

Beitrag von Caporal »

Ganze große Klasse! Da hast Du Dir sehr viel Mühe gegeben beim Recherchieren. Bravo!!
Caporal L´Epaule
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