1806 - 4. Koalitionskrieg

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Francois
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1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Francois »

Das beigefügte Bild und eine Beschreibung seiner Entstehung findet man unter
https://recs.hypotheses.org/579

Die Situation wird gern beschrieben mit einer Aussage von Napoleon „Wenn der noch gelebt hätte, dann stände ich nicht hier!"

Was ist dran an dieser Darstellung? Was habe die preußischen Generäle, die alle selber unter dem Alten Fritz gedient haben, in der Kampagne von 1806 falsch gemacht?
Dateianhänge
Friedrich Jügels und Heinrich Anton Dählings “Napoleon am Sarkophag Friedrichs II.”.png
Tiziateur
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Tiziateur »

Nach meiner Ansicht, wie schon mehrfach erwähnt waren die Generäle überaltert und hatten sich nicht wirklich mit neuen Taktiken beschäftigt. Sie hielten noch an der mittlerweile veralteten Taktik von Friedrich fest. Die Franzosen hatten Friedrichs Taktik weiterentwickelt, Sie hatten gelernt. Genauso, wie nach 1808 Napoleons Feinde von Ihm gelernt hatten und ein Umdenken einsetzte.
Weiterhin wird in dem mehrfach hierzu von mir benannten Buch, mit den Gerichtsverfahren gegen die preußischen Generäle erwähnt, das Sie nicht über gute Karten der Gegend verfügten.
Zudem waren die preußischen Marschgeschwindigkeiten wesentlich langsamer als die der Preußen. Der große Tross den die Preußen mit sich führten, zwangen die Marschleistungen herunter.
Die Franzosen hingegen lebten aus dem Land, mit wesentlich kleinerem Tross, waren so schneller und flexibler.
Das machte Sie bei der Bevölkerung natürlich unbeliebt, trug aber auch schon vor 1806 oftmals entscheidend zu Ihren Siegen bei.
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Francois
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Francois »

Da muss ich mal nachfragen. Was genau war an Taktik (und Strategie?) des Alten Fritz "mittlerweile veraltet"? Und was genau haben "die Franzosen ... weiterentwickelt"? "Krieg ernährt den Krieg" schrieb schon Schiller im Wallenstein. Das kann doch nicht alles gewesen sein.
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Tiziateur »

Nein, die lineare Taktik der Preußen war überholt. Die Kolonnenangriffe der Franzosen unter geschicktem Einsatz von begleitender Artillerie brachten oftmals den Durchbruch/ die Entscheidung. Die von den Franzosen gut ausgearbeitete Tirailleurtaktik, die bei den Preußen noch in den Kinderschuhen stand.
Besonders auch der Aufbau eines frz Armeekorps. Mit allen Waffengattungen zusammen, das alles war der preussischen Lineartaktik überlegen.
Zudem ließen sich die Angriffskolonnen der Franzosen recht gut Mobil führen. Je nach Art der Kolonne konnte diese unwahrscheinlich schnell der taktischen Situation angepasst werden.
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Francois
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Francois »

Na da haben wir ja was konkretes.
- Lineartaktik ist ein großes Wort, was leider übersieht, dass auch die Franzosen überwiegend in Linie gestanden haben, weil man eben nur so seine Muskete einsetzen konnte.
- Kolonne, ja, das gab es bei Preußens wirklich nicht. Durchbruch und damit Entscheidung, da gehe ich mit.
- Tirailleurtaktik, da wird es wieder etwas diffus. Aus den Schulbüchern weiß jeder, dass der freie Franzose auch in offener "Schützenlinie" kämpfen konnte, ohne dass ein Unteroffizier mit seinem Sponton dahinter stehen mußte. Was nicht jeder weiß, alle preußischen Kompanien hatten 12 Jäger mit Büchsen mit gezogenen Läufen dabei, die z.B. beim Kampf um Vierzehnheiligen auch aus dem Truppenverband herausgelöst wurden. Aber ich gebe zu, hochgerechnet auf ein ganzes Bataillon sind das weniger als z.B. die Voltigeurkompanie der Franzosen. Außerdem beweißen die hohen Verlustzahlen an Funktionsträgern (Offizieren, Trommlern, ...), dass es eine Startegie dazu gab.
- Armeekorps, jetzt kommen wir endlich zu wesentlichen Sachen. Doch dazu in einem eigenen Beitrag mehr.
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von CaptainMorgan »

Überalterung der Offiziere im damaligen preußischen Heer ist denke ich auch ein wesentlicher Punkt.
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von CaptainMorgan »

Francois hat geschrieben: Sa Apr 18, 2020 10:15 pm"Krieg ernährt den Krieg" schrieb schon Schiller im Wallenstein. Das kann doch nicht alles gewesen sein.
Dieses Prinzip, das hier angesprochen wird bezieht sich ja auf die Söldnerheere des 30-jährigen Krieges. Damit gemeint ist dass sich ein Heer durch Plünderung des Umfelds, indem es sich bewegt, sozusagen am "Leben erhält". Die Kriegskassen der Heer- und Söldnerführer der damaligen Zeit waren meist ziemlich leer, ergo waren die Soldaten gewissermaßen zu dieser Methode gezwungen. Ob man das Prinzip auf die stehenden Nationalheere des 18. bzw. frühen 19. Jahrhunderts anwenden kann, da wäre ich mir jetzt nicht so sicher. ;)
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Francois
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Francois »

Irgendwie ist meine Antwort auf die Überalterung verschwunden. Man kann jedenfalls bei Wikipedia die Lebensläufe auch der "Jüngeren" (und späteren "Helden") wie Blücher (1806: 64) und Scharnhorst (1806: 51) nachlesen, dass sie gewisse militärische Erfahrung hatten. Doch auch sie haben sie 1806 vergessen, sich an Nebenkriegsschauplätzen vergeudet oder sich einfach nicht durchsetzen können.
Davout (1806: 31) hatte in Italien und Austerlitz bewiesen, dass er eigenständig agieren konnte.

Man darf nicht vergessen, dass die genannte Kommission Opfer brauchte. Leider vergaß sie auch, dass es damals ein gewolltes System des "Avancement" gab, zu dem der Alte Fritz eine schönen Vergleich anstellt (zu lesen unter:
https://books.google.de/books?id=vdYAAA ... nt&f=false

Die Diskussion erinnert mich ein bisschen an Fussball. Wann ist ein Spieler oder eine Mannschaft (noch) hungrig auf Erfolg? Diese Frage stellte Napoleon später übrigens auch seinen Marschällen.
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Tiziateur »

Die Frage wurde 1814 für Napoleon entscheidend. Viele seiner Marschäle waren mit Reichtümern überlastet, sie waren des Krieges überdrüssig geworden. Das galt 1814 auch für viele Divisionäre. Er wusste das er sich 1814 nur fest auf seine Brigadegeneräle und die Obersten verlassen konnte. Diese hatten noch den Karriereehrgeiz, wenn man es so nennen möchte.
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Re: 1806 - 4. Koalitionskrieg

Beitrag von Tiziateur »

Hungrig ist die Mannschaft wenn sie noch Ideale hat, auch wenn man jung und flexibel ist. Man braucht Aussicht auf Erfolg. Ein Zusammenhalt aus Not um weiterzukämpfen ist allerdings auch möglich, siehe 1945.
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