Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

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Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Tiziateur »

Wie baue ich Epauletten selber?

TEIL 1 VERWENDETE QUELLEN

Quellen die ich verwendet habe:
- Napoleon et ses Soldats 1804- 1809 sowie dem Band 1809-1815 vom Musee de l` Armee
- Den hier im Forum von mir schon unter Buchpräsentation vorgestellten Hecquet
- Diverse Ausarbeitungen von Michel Petard
- Den Fallou „ La Garde Imperiale“
- Viele, viele Museumsbesuche
- Jede Menge Bilder aus dem Internet von Originalen und nur sehr gut gemachten Rekonstruktionen

Motivation:
Eigentlich ist das gar nicht so schwer Epauletten zu bauen. Das wichtigste an sich ist über das richtige Material zu verfügen, aber dazu komme ich später noch genauer. Der Rest ist in der Hauptsache eine Fleißarbeit.
Hier werde ich den Bau von Offiziers Epauletten mal im Ablauf zeigen. Die der Mannschaften wurden aber ähnlich gebaut. Also kann man auch den Bau von Mannschafts Epauletten hieraus ableiten.
Vorweg, bei einigen untergeordneten Bauteilen „betrüge“ ich auch bewusst ein wenig- Warum? Aus Kostengründen und weil ich es größtenteils etwas einfacher für mich mache, besonders wenn es um das fixieren von Teilen geht. ABER es müssen immer „unsichtbare“ Stellen sein!
Ich werde darauf natürlich in meiner Bauanleitung hinweisen.

Dauer der Bauzeit:
Hier nur für aufwendig, ausschließlich gestrickte Offiziers Epauletten, für eine Epaulette eines Subalternen Offiziers mit einer Contre Epaulette (ohne Fransen) ca 109 Stunden. Beim Bau von normalen Offiziersepauletten, und Soldatenepauletten, also nicht aufwendig gestickt, nur maximal 1/3 der Zeit.
Dateianhänge
Bild 1 Colorierte Originalzeichnung
Bild 1 Colorierte Originalzeichnung
Bild 2 Original Zeichnung Handskizze Hecquet
Bild 2 Original Zeichnung Handskizze Hecquet
Bild 3 Original Bauanleitung Mannschaftsepauletten
Bild 3 Original Bauanleitung Mannschaftsepauletten
Zuletzt geändert von Tiziateur am Mo Mai 04, 2020 12:29 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Tiziateur »

TEIL 2 ORIGINALE IN DER BETRACHTUNG

Teil 2.1

Kurzabhandlung:
Die Epaulette ist ja ein Überbleibsel eines Schulterschutzes vor Hieben welche von oben geführt wurden auf den Schulterbereich des Gegners. Bei den weitren Ausführungen werde ich mich auf die französische Armee beziehen.
In der französischen Revolution und der Napoleonik war der Schulterschutz nicht mehr der Hauptgrund einer Epaulette, sondern zu der Zeit kam es darauf an, den Rang des Offiziers oder den Elitären Status des Soldaten zu erkennen.
In Zeiten der Revolution und der frühen Napoleonik war der abgerundete Teil einer Epaulette, an dem die Fransen waren zumeist in derselben Breite wie das Schulterstück. In der mittleren und vor allem späteren Napoleonik wurde der runde Teil breiter als das Schulterstück. Wie man sieht an den mitgesendeten Dateien war das Schulterstück nach Vorgabe 6,5 cm während das Rondell (ohne die Rondelraupe) 8,5 cm war. Für die Zeit der Revolution habe ich keine genauen Vorgaben zur Hand, aber da lag die Breite des Schulterstückes bei ca 5 cm. Es verbreiterte sich nur optisch durch die umlaufende Rodelraupe.
Eine wichtige Anmerkung hierzu ist noch das dies zwar offizielle Vorgaben waren, welche festgeschrieben waren, jedoch jede Manufaktur hatte seine, sagen wir „persönliche“ Note. Ich denke damit weiß jeder was gemeint ist,
Dateianhänge
Bild 4 Quelle mit den folgenden Oiriginalepauletten
Bild 4 Quelle mit den folgenden Oiriginalepauletten
Bild 5 Etatsmäßige Epauletten die ausgegeben wurden
Bild 5 Etatsmäßige Epauletten die ausgegeben wurden
Bild 6 Chef de Eskadron der Carabiniers
Bild 6 Chef de Eskadron der Carabiniers
Bild 7 Capitaine der Chasseurs a pied de la Garde
Bild 7 Capitaine der Chasseurs a pied de la Garde
Bild 8 ungewöhnliche Capitaine Epauletten
Bild 8 ungewöhnliche Capitaine Epauletten
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Re: Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Tiziateur »

Teil 2.2


Speziell Offiziersepauletten:
Hier sollte man denken das es eine einheitliche Vorgabe gab. Dazu sei gesagt, unser Caporal hat hier im Forum eine Prima Dienstgradübersicht vorgestellt unter Extrabereich Reenactment/Napoleonika, dort unter den Thema Allgemein, dort unter dem Thred Dienstgrade der in der Grande Armee.
Es gab in der Tat Vorgaben und auch nach jeder Beförderung entsprechende Epauletten. Diese waren in der Linie meist schlicht gehalten mit glatten Tressenmaterial. Bei elitären Einheiten wie Garde waren diese entsprechend reichhaltiger gestaltet.
Das als Vorgabe, was war nun die Realität? Der Truppenalltag? Ich habe mir da viele Originale angesehen und verglichen, je weiter die Napoleonik voranschritt umso prächtiger wurden diese. Fakt war auf jeden Fall, man musste in der französischen Armee, die wie hier ja nur betrachten, den Dienstgrad noch erkennen, teilweise waren auch eigentümliche Vorgaben der Einheiten zu beachten, aber je nach Geldbeutel des Besitzers wurden auch edlere, reichhaltiger verzierte Epauletten geduldet, besonders bei den alternen Rängen ab Chef de Bataillon. Aber auch bei subalternen bis Capitaine. Hier war aber zumeist der Geldbeutel etwas zu klein.
Es gab auch Epauletten welche im Rondell besonders unten mit Watte aufgepolstert wurden. Das hatte den Effekt das die Schultern des Trägers breiter, kräftiger erschienen, Siehe hierzu auch das Bild von mir mit Nelsons Epauletten aus dem Marine Museum in London. Mann kann hier klar sehen wo die tödliche Kugel, aus der Takelage des frz Schiffes abgefeuert, eingeschlagen ist und quer durch seinen Körper fuhr. Dabei wurde die Wolle zum aufpolstern freigelegt.
Spätere Epauletten und Contre Epauletten waren nach der Napoleonik fast ausschließlich an der Unterseite „aufwattiert“
Hier möchte ich den Sichtwinkel nur auf die französische Infanterie in der Hauptsache lenken. Es gibt hier ganz viele noch erhaltene Modelle, einige habe ich auch als Fotos dieser Bauanleitung beigefügt um mal eine Übersicht zu geben.
Dateianhänge
Bild 9 Nicht etatsmäßige Epauletten Chef de Bataillon
Bild 9 Nicht etatsmäßige Epauletten Chef de Bataillon
Bild 10 Nelsons Epauelette, welche durch den schrägen Schuß von der Takelage aus quer durchschlagen wurde, zeigt klar Aufwattierungen
Bild 10 Nelsons Epauelette, welche durch den schrägen Schuß von der Takelage aus quer durchschlagen wurde, zeigt klar Aufwattierungen
Bild 11 Contre Epaulette frühes Modell Sous Lieutenant
Bild 11 Contre Epaulette frühes Modell Sous Lieutenant
Bild 12 Epaulette frühes Modell Sous Lieutenant
Bild 12 Epaulette frühes Modell Sous Lieutenant
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Re: Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Tiziateur »

Teil 2.3


Warum nun für mich diese aufwendig gestickten Offiziersepauletten?:
Zum einen ist es nein großer Anreiz, zum anderen gibt es für mich auch eine ganz profane Erklärung. Es mangelt mir an dem richtigen Material für das Schulterstück. Sowohl als Soldat, die groß gewebte Tresse in der richtigen Breite oder die glatte, Stofffaden mit Metallfaden umwirkte gewobene Stofftresse für die Standartmäßigen Offiziersepauletten.
Das ist die Erklärung warum. Für das 127eme Regiment habe ich mich dann für eine aufwendige Grundform der gestickten Epauletten der Garde entschieden, da ein großer Teil der Offiziere unter Beförderung auch von der Garde kamen.
Damit war als der Grundstein gelegt, die Möglichkeiten abgesteckt und das Projekt konnte beginnen.
Ich hatte von meinem Bruder noch 2 Inletts gestickt sowie 3 Schulterstücke fertig gestickt von einem maschinellen Stickladen, der zb Namenszüge auf Handtücher macht. Weiterhin hatte er sich schöne Metallene dicke Kantillenfransen (dicke) fertigen lassen für seine Generalsdarstellung im Hobby. Ich hatte mir seinerzeit einfach mal 1m mitmachen lassen, weil diese so toll geworden waren.
Als ich dann, durch den Verein, öfter in den Veranstaltungen als Offizier eingesetzt wurde habe ich mir erst einen Surtout einfach geknöpft genäht und habe mir kurzerhand aus den oben beschriebenen Materialien die Offiziersepauletten gebaut- Die dicken Fransen konnte ich, einseitig gesetzt, ab dem Dienstgrad eines Chef de Bataillon auch verenden.Somit wurden dann diese gebaut. Dann kam es 2014 zur Idee des deutschen Pelotons, wo ich zu einem der kommandierenden Offiziere gewählt wurde. Da wurde kurzerhand die Offiziersuniform genäht und die Epauletten weiter verwendet. Aber da war ja nun noch immer das übrige gestickte Schulterstück. Aber es fehlte ja ein gesticktes Rondell sowie weitre Fransen. Da ich immer viel Ehrgeiz habe herauszufinden wurde der Bau von Epauletten studiert, sich eingedacht und los geht es. Jetzt kam auch die Idee nur eine Epaulette eines Capitaine zu bauen, weil ich ja das Contre Epaulette weiter verwenden konnte.

MORGEN KOMMEN WEITERE TEILE INSGESAMT WERDEN ES 11 TEILE BIS ZUM ENDE DER GESAMTEN BAUANLEITUNG
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Bild 13 Die Epauletten von oben gesehen.
Bild 13 Die Epauletten von oben gesehen.
Bild 14 Unterseite der Epauletten frühes Modell, hier sieht man auch ganz klar, wie seinerzeit schon "betrogen" wurde um die teuren mit Metallumwickelten Fransen durch günstigere Ware "aufzupuschen"
Bild 14 Unterseite der Epauletten frühes Modell, hier sieht man auch ganz klar, wie seinerzeit schon "betrogen" wurde um die teuren mit Metallumwickelten Fransen durch günstigere Ware "aufzupuschen"
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Re: Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Caporal »

Danke, dass Du Deinen Bericht hier einstellst. Ganz großes Kino! Bin gespannt, wie es weitergeht
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Re: Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Tiziateur »

TEIL 3 MATERIAL

Teil 3.1

Materialbedarf:
- Grundstoff zwei Stücke von ca. 30 cm Länge und 20 cm Breite
- Zwei Stoffstücke Baumwolle oder Leinen, als Untertuch für den obigen Stoff, damit sich der später zu bestickende Stoff wegen der extrem eng zu setzenden Stich nicht kaputt sticht.
- Zwei Stück dünne Pappe. Sie darf nicht zu steif sein, da in der Napoleonik für gewöhnlich die Epauletten noch wirklich geknöpft wurden. Am besten die zwei lagige dünne Pappe verwenden wie Ihr auf den Bildern sehen könnt, mit der Wellenform in der Mitte. Diese ist steif genug beim spannen des Oberstoffes und später weich genug um sich beim Knöpfen an dem Knopfloch zusammendrücken zu lassen. Die Pappe liefert lediglich eine optisch schöne Steifheit der Epaulette. Hierauf kann natürlich bei der Mannschaftsepaulette verzichtet werden. Es reichen da auch nur Oberstoff/ Unterstoff und beide, durch jeweils eine innen einliegende Leinenschicht versteift, zusammen genäht.
- Zwei Stücke ca 30 cm langes stabiles Seil, am besten geflochten, mit einem Durchmesser von ca. 5- 6 mm welches später als Grundgerüst der hinteren Raupe dient.
- Für die Raupe zum umwickeln, gedrehte leonische Kordel, mit dem Inlett zum Epaulettenfeld und dem späteren unteren Rand zu den Fransen oder bei der Contre Epaulette als Abschluss, braucht Ihr 2 mal ca 3,00 m der gedrehten leonischen Kordel mit 3-4 mm Stärke.
- Zu guter letzt braucht Ihr ca 200m goldfaden für die Fransen und ca 40 m goldfaden für das Inlett im gestickten Rondell pro Seite und ca 100 m goldfaden für das gestickte Schulterstück. Das macht zusammen für Epaulette und Contre Epaulette 440m glatter goldener Faden.
- Dazu stabile Fäden in baun/goldfarben, der Grundstofffarbe beim zusammennähen von Obertuch/Untertuch, eine Schere und um zu „betrügen“ etwas doppelseitig klebendes Tesaband. Hilfreich wäre auch ein schöner Stickrahmen, zum einspannen des Stoffes zum Sticken.

Woher kommt das Material ?:
Der Tuchstoff ist normales Uniformtuch zum Beispiel von der Firma Mehlert.
Das Leinen gibt es an sich in jedem Bastelladen
Die Pappe ist von Standard Verpackungskartons
Das geflochtene Seil ist Standartware aus dem Baumarkt
Die 3mm leonische Kordel ist in guten Kurzwaren Geschäften zu erhalten oder wie ich bei der Firma Hotex, siehe hierzu in diesem Forum auch meine Quellenangabe zu dieser Firma.
Nun zum entscheidenden Stickmaterial. Viele sagen es muss Metalldraht sein, dem kann ich so nicht wirklich folgen. Also das Material muss glänzen, also war Metall dabei. Aber reiner Metalldraht wäre zum sticken zu steif. Es muss also im Original ein Grundfaden gewesen sein, mit dünnem Metall dicht umwickelt, damit es verarbeitbar war. Hier ist es bei Mannschaftsepauletten einfacher. Hier braucht man nur ca. 1 mm starken farbigen Wollfaden für die Fransen, welcher aber glatt sein muss. Schon gedrehter Faden ist sehr schwer bis unmöglich noch einmal zu drehen.
Also das große Problem, einen Faden der wie goldfaden aussieht und bei den Mengen noch im vertretbaren Preisrahmen liegt.
Die Idee dazu kam vor langer Zeit mal zu Weihnachten, Dort gibt es im Überfluss Geschenkgoldfaden. Diesen habe ich mehrfach ausprobiert, auch bei Rockschoßgranaten (siehe bauen einer Lagermütze) und war auch preislich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Der lag bei ca 2-3 Euro für 20 Meter! Diesen bestelle ich mittlerweile Kartonweise bei der Firma Hotex oder in Kunst und Kreativläden- Ich meine in einem Karton sind 10 Rollen zu je 20 Meter. Aber bitte aufpassen!!!! Es geht nur der dünne, nicht der schlechter gewickelte breitere den es überall zu Weihnachten gibt. Ich habe Euch deshalb dazu auch das komplette Bild einer Rolle eingestellt, damit Ihr das richtige verwendet.
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Bild 15 der Garn mit Kennzeichnung, Quelle Firma, siehe hier im Forum unter Quellenangaben
Bild 15 der Garn mit Kennzeichnung, Quelle Firma, siehe hier im Forum unter Quellenangaben
Bild 16 Garn ohne Verpackung
Bild 16 Garn ohne Verpackung
Bild 17 Die verwendete Wellpappe
Bild 17 Die verwendete Wellpappe
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Re: Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Tiziateur »

Teil 3.2

Kosten :
Solche Epauletten können durchaus im Handel och gekauft werden, wie zb bei Empire Costume. Siehe hierzu meine Link Angabe hier im Forum unter Quellen- Ich meine die Epauletten eines Subalternen Offiziers liegen je nach Art und Ausführung zwischen 200- 450 Euro für das Paar. Die Epauletten welche wir bauen liegen dort bei ca 400 Euro.
Das sind auch berechtigte Preise wenn man sieht wie lange man braucht um selbige zu bauen.
Wir wollen das aber selber machen, das ist ja unser Vorhaben. Ich kann Euch sagen Ihr liegt bei ca 50 Euro für den Goldfaden (ca 2 Kartons zu je 10 Rollen) ca 10 Euro Stoff, wenn der nicht schon in Eurem Fundus ist, kostenlose Pappe, ¼ Rolle beidseitig Klebendes Teasa für 5 Euro, kostenlose Pappe 2-3 Euro für die 60 cm geflochtenes Seil und ca. 18-20 Euro für die ca 6m gedrehte 3-4 mm starke leonische Kordel. Suma Sumarum also ca 90 Euro. Das ist auch viel Geld, aber unser Anreiz ist wir wollen es schaffen!
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Bild 18 Das gekettelete stabile Seile als Unterbau für die Raupe
Bild 18 Das gekettelete stabile Seile als Unterbau für die Raupe
Bild 19 Die leonische Kordel für die Raupe (auch Firma Hotex)
Bild 19 Die leonische Kordel für die Raupe (auch Firma Hotex)
Bild 20 Die Grundmaterialien
Bild 20 Die Grundmaterialien
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Re: Herstellung von Epauletten speziell Offizier Frankreich

Beitrag von Tiziateur »

TEIL 4 FERTIGUNG GRUNDKÖRPER

Der Grundkörper
Der Grundkörper besteht aus einem Pappstück, aus der, unter Materialien, beschriebenen Pappe. Der Grundkörper wird nach den Maßen aus dem Heqcuet aufgezeichnet.
Die Breite der Schulterstücke (siehe Hecquet) ist bei Epauletten zur Mitte/ Ende der Napoleonik 6,5 cm und die des Rondels ist 8,5 cm. Zur Revolution war das Schlutlterstück ca 5,5 cm breit, ebenso das Rondel, welches hier am Schulterstück ja nur abgerundet wurde. Aber Ihr könnt da etwas varieren weil die Abmessungen von Originalen sich unterschieden. Aber als Grundvorgabe sollte es möglichst eigehalten werden.
Es wird pro Seite jeweils nur ein Pappgrundkörper ausgeschnitten. Nur das hintere Rondell wird als 2. Lage pro Seite nochmals ausgeschnitten. Nur hier wird später doppelte Pappe verwendet um die Fransen damit später leicht nach aussen gegen die untere Kordel zu drücken.
Den ausgeschnittenen Grundköper legen wir nun auf den Unterstoff. Damit zeichnen wir die Konturen auf den Stoff, später vor dem ausschneiden geben wir je 1,5 cm zu dem auf den Stoff aufgezeichneten Unterstoffgrundkörper. Diesen Überstand nutzen wir später zum einschlagen und annähen.

Nun zum gestickten Oberteil. Der Stoff mit dem Leinen Unterstoff sollte erst nach dem besticken ausgeschnitten werden, da wir selbigen ja sonst nicht mehr richtig in den Stickrahmen einspannen könnten.
Der Oberstoff wird getrennt angezeichnet. Also Schulterstück und Rondell getrennt, damit man später leichter die beiden Teile getrennt sticken kann hier sollte auf jeder Seite 1,5 cm Stoff zum späteren umklappen dazugegeben werden. Mit dem fertig ausgeschnittenen Oberstoff zeichnen wir nun auf dem Leinenstoff die Konturen an, für jede Seite, aber nur als Unterlage für den Oberstoff. Diese Leinenstücke brauchen wir, für die Stickereinen. Die Stiche der Stickerei werden im Oberstoff sehr eng gesetzt. Der unterlegte Leinenstoff stabilisiert den Oberstoff aus Tuch.
Das Rondell könnt Ihr komplett mit Filzstifft angezeichnet, die Pappränder des Schulterstückes jedoch mit einem Kreidestift, weil hier die Striche an den Papprändern zu sehen wären.
Der fertig bestickte Oberstoff wird später über die Pappe gespannt, wie erkläre ich noch.
Hier aber schon mal zum Verständniß vorweg:
Der Unterstoff wird nur hinten über das Rondell gespannt, am Schulterstück wird selber nur eingeschlagen, die Wulste an den Ecken abgeschnitten und gegen den Oberstoff genäht..
ACHTUNG! Nochmals der Hinweis. Das ausschneiden des Oberstoffes können wir erst nach der vollständigen Bestickung vornehmen, weil sonst den Oberstoff mit dem unterlegten Leinen nicht mehr richtig in den Stickrahmen einspannen könnten.
Das spannen, dort verwenden wir starken Zwirn oder wie ich Buchbindergarn. Wenn die beiden fertig gestickten Oberstücke befestigt werden sollen, „betrüge“ ich vorher ein wenig und klebe auf der Pappe (siehe Fotos) etwas beidseitig klebendes Tesa auf. Dies um den Stoff besser zu fixieren.
Durch die auf die Rückseite der Pappe umgeschlagenen 1,5 cm breiten Stoffzugaben stechen wir wie ein Korsett die stabilen Buchbinderfäden mit einer Nadel durch und ziehen jeweils fest an, wie beim Korsett. Damit spannen wir den vorher mit dem Tesa leicht fixierten Stoff fest über die Pappe, die hierzu stabil genug ist. Achtung! Den Faden immer ziemlich weit hinten im umgeklappten Stoff einstechen, da selbiger sonst sofort reißen würde. Auch bitte vorher das Knopfloch auf der Pappe einzeichnen, damit man später beim erstellen des Knopfloches die Spannfäden nicht zerschneidet. Mit dem Unterstoff verfahren wir mit der Pappe im Rondell ebenso und fixieren diesen dann wird auch er gespannt, wie oben beschrieben.
Anmerkung, der Oberstoff ist ja etwas stabiler, dadurch das wir wegen der Stickerei ja vor dem Sticken den Leinenstoff unterlegt haben.

Dauer Pappgrundkörper ca 1 Std
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Bild 21 Die Pappschablone aufgelegt und zweimal angezeichnet und ausgeschnitten
Bild 21 Die Pappschablone aufgelegt und zweimal angezeichnet und ausgeschnitten
Bild 22 fertig angezeichnet
Bild 22 fertig angezeichnet
Bild 23 nochmal die verwendete Wellpappe, bei Mannschaften empfiehlt sich hier auch mehrere Lagen Steifleinen
Bild 23 nochmal die verwendete Wellpappe, bei Mannschaften empfiehlt sich hier auch mehrere Lagen Steifleinen
Bild 24 Nun auch die Unterseite 2 mal angezeichnet auf dem Stoff
Bild 24 Nun auch die Unterseite 2 mal angezeichnet auf dem Stoff
Bild 25 fertig angezeichnet und nun mit späterer Umschlagszugabe ausgechnitten
Bild 25 fertig angezeichnet und nun mit späterer Umschlagszugabe ausgechnitten
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Beitrag von Tiziateur »

TEIL 5 RONDELL

Teil 5.1

Die Stickerei
Allgemein, beim Sticken sollte man nie den umwirkten Faden zu lang wählen, der Faden neigt durch das häufige durchziehen durch den Soff zum aufzwirbeln. Also nie zu lange Enden wählen. Weiterhin die Stiche extrem eng und dicht setzen, man soll vom bestickten Stoff nachher möglichst wenig sehen. Wer noch nie gestickt hat, sollte dann erst mal ein paar Probestücke sticken-

Das Rondell
Wir nehmen einen Filzstift um die Konturen auf den Tuchstoff zu zeichnen. Die aufgezeichneten Linien sind später durch die starke Stickerei nicht mehr zu sehen. Wir haben ja mit dem Filzstift auch schon die Konturen der Aussenkante des Rondells aufgezeichnet. Von dieser Linie zeichnen wir nun in 4mm Entfernung eine zweite und wieder 4mm weiter eine dritte Linie ein. Das sind die Stickkonturen für die später nur noch teilweise sichtbaren doppelt am Rand umlaufenden Ränder. An dem Stück wo später das Schulterstück angesetzt wird wir dieser Doppelrand auch erstellt, an den jeweiligen Ecken, wo später die Raupe ansetzt werden zwei optische Einschnitte angezeichnet und gestickt. Siehe hierzu das Bild. Diese sind ca 2 cm hoch vom unteren Rand und laufen leicht schräge.
Wenn dieser Doppelrand mit den zwei optischen Einkerbungen angezeichnet ist, fangen wir an die Felder einzuzeichnen. Hier habe ich bei den Bildern einen kleinen Fehler gemacht, den ich beim sticken verbessert habe. Ich habe erst die einzelnen Felder pro Reihe versetzt angezeichnet. Das stimmt aber nicht! Die Felder liegen immer genau hintereinander und heben sich durch das verschwenken des Stickgarns später ab. Siehe hierzu die erst falsch angezeichneten Felder und die fertige Stickfläche.
Insgesamt habe ich 12 Reihen. Man fängt mit dem anzeichnen am untern Rand des Rondells an, damit man mit einem Geo Dreieck die Striche immer schön parallel nach oben zeichnen kann. Die Höhe der Reihen beträgt 5mm.
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Dateianhänge
Bild 26 Die alte Contre Epaulette als Muster Nur hinteren Grundkörper erst mal anzeichen
Bild 26 Die alte Contre Epaulette als Muster Nur hinteren Grundkörper erst mal anzeichen
Bild 27 Das Innenleben anzeichnen, von der Mitte aus angefangen zu den Enden hin auslaufend
Bild 27 Das Innenleben anzeichnen, von der Mitte aus angefangen zu den Enden hin auslaufend
Bild 28 fertig angezeichnet und mit Unterstoff zur Verstärkung eingespannt. ACHTUNG hier von mir noch falsch versetzt angezeichnet. Die Quadrate kommen gerade übereinander und werden im Wechsel senkrecht und waagerecht gestickt. Dadurch heben sie sich voneinander ab.
Bild 28 fertig angezeichnet und mit Unterstoff zur Verstärkung eingespannt. ACHTUNG hier von mir noch falsch versetzt angezeichnet. Die Quadrate kommen gerade übereinander und werden im Wechsel senkrecht und waagerecht gestickt. Dadurch heben sie sich voneinander ab.
Bild 29 … und los geht es
Bild 29 … und los geht es
Bild 30 Der erste Kreis ist fertig
Bild 30 Der erste Kreis ist fertig
Zuletzt geändert von Tiziateur am Di Mai 05, 2020 11:05 am, insgesamt 1-mal geändert.
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Teil 5.2

Sind nun alle 12 Reihen schön parallel aufgezeichnet, fängt man wieder unten an, um die Quadrate einzuzeichnen- Die Breite der Quadrate ist ebenfalls 5mm. Also die Mitte genommen zwischen den angezeichneten Einkerbungen des Randes, zu jeder Seite 2.5 mm gemessen und senkrecht die Rändern der mittleren Quadrate bis an den oberen Rand angezeichnet. Nun teilt Ihr gleichmäßig nach rechts und links immer die Felder 5mm breit an und macht die senkrechten Striche. Immer so weit bis Ihr an den angezeichneten Rand kommt.
Damit habt Ihr alles angezeichnet. Nun den Stoff mit dem Leinen Unterstoff in den Stickrahmen eingespannt und los geht das Sticken. Erst wir der Doppelrand umlaufend gestickt, den müsst Ihr als Begrenzung unbedingt zuerst sticken. Der Rand dauert länger als später die Felder. Wen Ihr den Umlaufenden Rand fertig gestickt habt kommt das Feld dran!
Bei den Quadraten müsst Ihr immer darauf achten das Ihr diese verschwenkt stickt, also immer im Wechsel hochkant/längskant, siehe Bilder.

Pro Rondell brauchte ich ca 20 Stunden.
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Bild 31 Rahmen fertiggestellt, die Felder gehen schneller
Bild 31 Rahmen fertiggestellt, die Felder gehen schneller
Bild 32 An diesem Punkt war die erste Rolle aufgebraucht
Bild 32 An diesem Punkt war die erste Rolle aufgebraucht
Bild 33 Immer im Wechsel sticken senkrecht, waagerecht. Enge Stiche wählen!
Bild 33 Immer im Wechsel sticken senkrecht, waagerecht. Enge Stiche wählen!
Bild 34 Fertiges Rondell
Bild 34 Fertiges Rondell
Bild 35 Im Abendsonnenschein
Bild 35 Im Abendsonnenschein
Bild 36 fertig gestickt und mit Rand angezeichnet der später umgeschlagen wird
Bild 36 fertig gestickt und mit Rand angezeichnet der später umgeschlagen wird
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