Englands große Waterloo-Lüge

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Sapeur Maik
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Englands große Waterloo-Lüge

Beitrag von Sapeur Maik »

Waterloo- ein deutscher Sieg mit englischer Beteiligung !!!
Das hier vorgestellte Buch des deutschen Autors Carl Bleibtreu verrät ja schon im Titel wohin die Reise geht. Bleibtreu räumt auf mit den englischen Lügen und Verzerrungen während der Schlacht bei Belle Alliance oder am Mont St.Jean. Schon die Benennung der Schlacht in ,,Waterloo'' ist an Dreistigkeit gegenüber den Preußen kaum zu überbieten. Das macht auch gleich den Stellenwert der Verbündeten in Wellington's Augen aus. Angeblich benannte der Duke seine Schlachten immer nach seinem Hauptquartier, das ist eine Lüge. Wollte er die Preußen mit dieser Behauptung besänftigen ? Nein, Wellington wollte gleich die Rolle der Preußen herunterspielen und Waterloo klingt doch so herrlich englisch.
Dass es sich um einen deutschen Sieg mit englischer Beteiligung handelte ,zeigen schon die Zahlen der verbündeten Armee. Die Masse der in der Schlacht kämpfenden deutschen Truppen belief sich auf 31'500 Mann, einschließlich der Legion. Dazu kamen noch 45'000 Preußen, die über Plancenoit hereinbrachen. Wirft man einen Blick in die ,,englischen'' Karrees wird einen schnell klar, dass über die Hälfte aus Deutschen bestand und die Leistungen der Hannoveraner, Braunschweiger und der Kings German Legion als englische Ruhmestat verkauft wurden. Beispiel: In der englischen Presse wird berichtet, dass der Zusammenbruch der französischen Armee durch die Niederlage der Garde Imperiale eingeleitet wurde. So weit so gut, ist ja alles bekannt aber: laut Aussage Wellingtons (ein Wortjongleur par exellence) ,,Ich habe nicht versucht abzustreiten, dass der Angriff der Garde viel schlimmer gewesen wäre, wenn die Preußen Napoleons Reserven nicht in Plancenoit verwickelt hätten '' Nimmt man diesen Satz auseinander so wird die Bedeutung schnell klar. Es wäre zwar schwerer geworden ohne Preußen, der Garde standzuhalten aber: Wir hätten es geschafft. Das ist eine typische Wortklauberei des arroganten Engländers, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht und durch zahllose Beispiele belegt ist.
Dieses Buch ist schwer zu lesen, weil Bleibtreu akribisch Uhrzeiten, Sollzahlen und Befehle anders lautender Berichte gegenrechnet und oftmals diese widerlegt. Da kommt man schnell durcheinander, zumal die alte deutsche Ausdrucksweise bzw. der Satzaufbau das Ganze erschwert. Bemerkenswert und zutiefst befriedigend ist ja die Tatsache, dass sich Bleibtreu oft englischer Rapporte bzw. Schlachtberichte bedient, die ihren Wellington im gleißenden Licht erstrahlen ließen. Nur leider dreht der Autor den Spieß um und entzaubert das ,,Genie'' und er kann es belegen.
Ich möchte hier noch ein paar typische Beispiele über den Charakter und der Verlogenheit dieses englischen Aristokraten zum Besten geben.
Die Schlachten bei Ligny und Quatre Bra sind unteilbar mit Waterloo verbunden und spielen eine entscheidende Rolle. Bekanntermaßen erlitten die Preußen bei Ligny eine empfindliche Niederlage, sie waren geschlagen aber nicht vernichtet. Da Preußen ja Bündnispartner mit England war und eine gegenseitige Unterstützung vereinbart wurde ,so drängt sich hier die Frage auf, hat Wellington den Preußen die Hilfe verweigert und wenn ja warum ? Fakt ist, die Preußen stellten sich bei Ligny einer Schlacht in der Annahme ,dass der Duke zu Hilfe kommen würde. Die Deutschen wurden getäuscht und bezahlten einen hohen Blutzoll.
Zu seiner Rechtfertigung hier wieder ein typisches Wortspiel Wellington's, er könne nur helfen, wenn er selbst nicht angegriffen wird. Da ja seine Hilfe ausblieb, muss er angegriffen worden sein ? Bloß wann und wo? Wellington wurde nicht angegriffen, er marschierte in der Nacht (Ligny war bereits Geschichte) nach Quatre Bra um sich der Kreuzung zu bemächtigen.
Hier kam es zur Schlacht mit den Ney'schen Truppen, die für Wellington bald in ein Fiasko endeten. Nur dem Wetter und der unglaublichen Untätigkeit Neys ist es zu verdanken, dass Wellington fliehen konnte. Um nochmal auf Ligny zurückzukommen, warum marschierte Wellington nicht dorthin? Quatre Bra kann ja nicht als Ausrede herhalten, denn der Duke schlug sich dort viel später als in Ligny.
Die ganze Verlogenheit der Engländer zeigt sich schon anhand der Schlachtaufstellung. Wellington konzentriert seine Kräfte auf den rechten Flügel um sich bei Gefahr Richtung Westen (Antwerpen/Hal) abzusetzen. Im Falle eines Rückzuges wären die Preußen wieder verraten wurden, die ja praktisch von Osten herkommend auf den linken Flügel der Engländer getroffen wären. Dies ist umso verwerflicher, weil sich Wellington der Zusage der Preußen sicher war, die er früh am 18. erhielt. Also hielt er sich die Flucht-Option immer in der Hinterhand, egal was mit den Deutschen wird, die ja dann im Zentrum gestanden hätten.
Bleibtreu bemerkt treffend ,,Ein echter Britenmann kann keinen Deutschmann leiden, doch seine Hilfe nimmt er gern '' mit dem Vorsatz, nachher die Hilfe zu leugnen und umzukehren.
Auch so ein Ammenmärchen der Engländer ist die Behauptung, dass die Garde allein angriff. Die Garde ist immer im Zusammenspiel mit anderen Einheiten angetreten, so auch in Waterloo. Dies muss Erwähnung finden, da es für den Angriff der Mittleren Garde von entscheidender Wichtigkeit war. Das Korps Reille, dass heldenhaft kämpfte wurde in schwere Kämpfe mit der starken englischen Flanke ( Brigade Halkett bestehend aus Hannoveranern und Duplats Legionäre) verwickelt, als um 19.30 die Garde zum Sturm ansetzte. Das Zurückfluten der Reilleschen Truppen brachte Unordnung in den Angriff der Garde, die gegen 19.45 einbrach, sich aber geordnet zurückzog. Und hier greift wieder die englische Lüge, die von National-Briten spricht, die das Korps Reille und dadurch die Garde zum Stehen brachte. Ganz klar, zu diesem Zeitpunkt war der linke englische Flügel bzw. das Zentrum nicht mehr existent als der Angriff erfolgte. Der Sieg auf dem Höhenrücken des Mount St.Jean war ganz klar ein deutscher Sieg, der durch den Angriff der Hannoveraner/ Braunschweiger auf der einen und den Preußen über Plancenoit auf der anderen Seite zustande kam. Hinzu kommt noch der Anteil der Kings German-Legion im Gehöft La Haye Sainte, die lange genug französische Kräfte banden, die Napoleon im Zentrumsstoß fehlten.
Selbst als alles entschieden war und sich die Armee du Nord in Auflösung befand wurde immer noch peinlichst darauf geachtet, dass so wenig wie möglich kostbares englisches Blut vergossen wurde. Irgendwann soll der große Wellington seinen Hut geschwenkt haben um den Franzosen den finalen Schlag zu versetzen. Wie gesagt, es war alles schon gelaufen. Die Wahrheit sieht aber anders aus. In Wirklichkeit überbrachte ein gewisser Oberst Freemantle die Aufforderung, sich dem Vorrücken der Preußen anzuschließen. Dies wird durch Oberst Reiche bestätigt. Auch hier wird wieder eine dreiste Lüge des Herzogs entlarvt, der ja behauptete die Initiative, vor dem Einfall der Preußen in die rechte Flanke der Garde, ergriffen zu haben. Selbst nach der Aufforderung der Preußen wurde die Verfolgung nur halbherzig aufgenommen. Das mussten die total erschöpften Preußen übernehmen, die ja das Lasne-Tal (Sumpf und Morast) durchschritten hatten.
Dreistigkeit und unverfrorenes Lügen kommt scheinbar immer weiter, das beste Beispiel liefert diese Schlacht. Denkt ein Laie an Waterloo, so kommen ihm gleich Rotröcke in den Sinn, die den Usurpator Napoleon vom Felde fegten. Oder anders gesagt, Der Sieger schreibt die Geschichte'' Was bleibt vom großen Wellington, gefeiert als großer Defensivstratege, der im Grunde genommen nur unsagbares Glück hatte. Selbst bei der Auswahl des Schlachtfeldes verließ ihn Fortuna nicht. Auf die Frage Pictons, warum er eine Schlacht mit dem Wald im Rücken annahm, antwortete er hochnäsig. ,,Ich war vor 2 Jahren schon einmal hier, ich kenne diesen Wald der sehr durchlässig ist. Das wäre aber bald in die Hose gegangen, denn schon während der Schlacht füllte sich dieser besagte Wald mit Deserteuren, Fuhrwerken und Verwundeten. Man kann sich ausmalen was bei einem Rückzug geschehen wäre. Selbst Mutter Natur half dem Engländer mit dem Ausbruch des Tambora ( 10.-15. April 1815 in Indonesien). Seine Vulkanasche streute in die Stratossphäre und bescherte Europa monsumartige Regenfälle, die dann das Schlachtfeld von Waterloo in ein Schlammmeer verwandelten. Dadurch konnte Drouts Artillerie nicht voll zur Geltung kommen und die Infanterie bzw. Kavallerie musste den Berg hinauf. Alles zu Ungunsten Napoleons. Damit ist aber die Glückssträhne des Herzogs noch lange nicht beendet. Plancenoit, eine Schlacht in der Schlacht war das Zünglein an der Waage. Hier tobte der Kampf besonders hart und die Preußen unter Bülow drangen mit dreifacher Übermacht in das Dorf ein. Die darauf eingesetzte Alte Garde (1.Bat.2.Grenadiere/1.Bat.2. Chasseure) säuberte Plancennoit innerhalb von 20 Minuten und brachte Bülow in arge Bedrängnis. Daraufhin erließ Gneisenau einen Befehl, dass Ziethen sofort Bülow zu Hilfe eilen sollte. Die Entscheidung Gneisenaus ist gerechtfertigt, denn warum sollen Deutsche nicht erst Deutschen helfen, anstatt dem verlogenen Wellington. Aber wie gesagt Wellington besaß das Glück des Unverschämten, Ziethen missachtete den klaren Befehl und unterstützte die Engländer indem er in die rechte Flanke der Mittel-Garde einbrach, die sich gerade im Angriff befand. Ein klarer Fall für ein Kriegsgericht.
Das Glück für Wellington war logischerweise das Pech für Napoleon. Ich kenne keine andere Schlacht wo das Schicksal so gegen einen Feldherrn war wie in Waterloo. Napoleon verlor die Schlacht von Waterloo gegen seine Marschälle Ney und Grouchy sowie D'Erlon. Ney zB. missachtete 4 Befehle sich der Kreuzung Quatre Bra zu bemächtigen und Napoleon in Ligny zu helfen. Die Schlacht von Waterloo wäre eine andere gewesen, weil keine Preußen gestört hätten. Dieses Buch ist ein Meisterwerk und ein Lichtblick in der englisch-lastigen Waterloo-Presse. Napoleon hat in diesem Buch erstaunlich wenig Fehler gemacht und unterstreicht sein Genie. Aber lest selbst.
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Zuletzt geändert von Sapeur Maik am Mi Apr 14, 2021 12:18 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Englands große Waterloo-Lüge

Beitrag von Pêcheur »

Wow, Maik! Danke für Deine umfassende Buchvorstellung. Da hast Du Dir ganz schön die Wut gegenüber der Heroisierung Wellingtons von der Leber geschrieben!
Bleibtreu ist schwer zu lesen, geht unvergleichlich ins Detail, führt Quellen an und bringt viele Zahlen. Das Ganze in langen Sätzen, die man oft mehrfach lesen muss, um durchzusteigen.
Aber es lohnt sich.
Vielen Dank nochmal! Hab Deine Zusammenfassung sehr interessiert und mit einem Schmunzeln auf den Lippen gelesen. 👍🏻
Sapeur Maik
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Re: Englands große Waterloo-Lüge

Beitrag von Sapeur Maik »

Vielen Dank, das musste sein. Ich habe ja nur grob umrissen, da ist ja noch viel mehr passiert an Lügen und Verzerrungen. Gneisenau hatte vollkommen recht, man kann Wellington nicht trauen. Was war denn seine Leistung in Waterloo? Ok, er war mutig das waren andere aber auch. Er hat standgehalten, ok, das war aber nicht sonderlich schwer,( er wußte, dass die Preußen in Anmarsch waren) Für mich ist das kein guter Feldherr, siehe auch seine teuer erkauften Siege in Spanien.
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Re: Englands große Waterloo-Lüge

Beitrag von Pêcheur »

Der Gewinner schreibt die Geschichte. Das bewahrheitet sich immer wieder und hat bis heute Gültigkeit.
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Re: Englands große Waterloo-Lüge

Beitrag von Tiziateur »

Ja der Gute Bleibtreu das Buch habe ich Mitte der 90er Jahre gelesen. Wie Du richtig schreibst ist es extrem schwer zu lesen und man muss öfter den Satz neu lesen. Mann wird förmlich mit Daten überflutet. Soviel Detail vor allem auf Regimentsebene! Wahnsinn! Auch wie Bleibtreu systematisch vorgeht und Befehle vergleicht, dann wie Angaben und Behauptungen mit wirklichen möglichen Marschleistungen verglichen und enttarnt werden. Ja auch darin hast Du recht, das der angebliche „Alleskönner“ Wellington entzaubert wird und in einem anderen Licht dargestellt wird. Aber Wellington war schon ein fähiger Feldherr, das muss man Ihm lassen, aber er war eben auch Propargandist. Er wusste wie er sich der Nachwelt im besten Licht präsentiert. Politiker halt!
Aber wenn jemand Details über Waterloo wissen will, so ist dieses Buch ein MUSS für jede Waterloo Bibliothek!
Sapeur Maik
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Re: Englands große Waterloo-Lüge

Beitrag von Sapeur Maik »

Eigentlich braucht man kein Buch mehr über Waterloo, wenn man dieses hat Günter.
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