Göhrde 1813 eine rekonstruierte Orde de Bataille

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Göhrde 1813 eine rekonstruierte Orde de Bataille

Beitrag von Tiziateur »

Hallo,

ich befasse mich mit Schlachten/ Gefechten und Belagerungen, die mich stark interessieren oft bis in das Detail.
Man liest soviel in den Quellen, doch sollte man vorsichtig sein mit dem was man glaubt. Seit über 36 Jahren befasse ich mich mit der Napoleonik, da sammelt man jede Menge Quellen und Wissen. Man glaubt gar nicht wie je nach der Nationalität der Quelle sich Zahlen und Angaben unterscheiden können, das ist Wahnsinn!
Ich habe mir daher zu Leitsatz gemacht, möglichst immer mehrere Quellen lesen und alles zusammenfassen.

Das mal so für meine weiteren Feldzugsposts vorweg.

Das Gefecht an der Göhrde 16.09.1813.

Grober Ablauf, Marechal Davout der ja Hamburg zu einer Festung ausbaute hatte im Herbst das Problem das keine direkte Verbindung auf kürzestem Wege zu Napoleons Hauptheer vorhanden war. Das Streifkorps Wallmoden Grimborn hielt sich in der Region zwischen Ostsee und Magdeburg auf.
Um eine Verbindung wieder herzustellen und den genauen Ort von Wallmoden bestimmen zu können, stellte er eine größere Einheit zusammen unter dem Divisionsgeneral Pecheux.
Das Problem war Wallmoden hatte Glück und fing einen Kurrier ab, somit war Ihm der geplante Marschweg genau bekannt.
Er legte sich in den weitläufigen Gördewäldern in den Hinterhalt und wartete auf Pecheux.
Dieser zog aber nur bis zu den Steinker Höhen bei Lüben, einem schon seit dem Frühjahr bekannten Höhenzug, von dort hatte er gute Sicht und ließ die Männer abkochen. Ein Bataillon wurde bis zum Göhrde Schloß vorgeschoben.
Wallmoden wurde ungeduldig und griff nun seinerseits mit seinen hauptsächlich unerfahren Truppen an. Diese Bestanden aus Deutsch/Russen, Hannoveranern, Preußen sowie Engländern (73. Royal Highland aber ohne Kilt!)
Den genauen Schlachtverlauf hier zu schildern überträfe diesen Post. Jedenfalls gelang es Wallmoden der so ca 3:1 überlegen war trotz mehrerer beiderseitiger Flankenangriffe nicht die Franzosen zu schlagen und zu vernichten. Das Ergebnis stand an sich von vornherein fest. Es ist Pecheux aber gelungen einen großen Teil seiner Sreitmacht nach Hamburg zurückzuführen.
Die Verbindung zu Napoleon war aber weiter unterbrochen.
Eine Anmerkung vielleicht noch, hier und nicht in Leipzig erfolgte der erste Landeinsatz der Congreveschen Raketen auf deutschem Boden.

Wallmoden verfügte über ca. 12000 Mann mit viel Reiterei. Er wird nicht alle Truppen an der Görde eingesetzt haben, einige Einheiten werden noch Stützpunkte besetzt haben. es ist also von ca 10000 bis 110000 Mann bei Walmoden auszugehen.

Hier nun meine Rekonstruktion der französischen Orde de Batatille der Göhrde:


Rekonstruktion einer Odre de Bataille der Franzosen beim Gefecht an der Göhrde 16.09.1813



Oberkomandierender: General de Division (Divisionsgeneral) Pecheux ca. 5 Mann

Brigadekomandeur: General de Brigade (Brigadegeneral) Mielzinzki ca. 5 Mann
Er wurde von der 3.Division 1. Brigade aus dem 13. Korps zu Pecheux versetzt.
Total Stab ca. 10 Mann
Es wird sich bei den Truppen an der Göhrde mit größter Sicherheit um die 50. Division der Gouvernementstruppen Hamburgs handeln, welche in das 13. Korps unter Marschall Davout versetzt wurde, da fast alle Truppen der Division Verluste an der Göhrde erlitten haben. Unklar ist welches Bataillon der 105eme Ligne teilgenommen hat, da die Division das 3.+6. Bataillon hatte, weiterhin ist nicht zu belegen das die 11. Kompanie der 8. Fußartillerie, welche keine Offizier Verluste an der Göhrde erlitten hat, auch am Gefecht teilgenommen hat. Aufgrund der vielen Quellen und Angaben zu der Anzahl der französischen Kanonen möchte ich deren Teilnahme eher Ausschießen. Besonders der Hinweis in einigen Quellen das unter den erbeuteten Kanonen 2 österreichische 6 Pfünder waren. Dies sind definitiv Kanonen welche in hoher Zahl von den Franzosen erbeutet wurden. In den Jahren 1810/1811 hat man viele dieser Kanonen den Regimentern direkt als Unterstützungsartillerie übergeben. Die 3eme und 105eme hatte jeweils je 2 österreichische 6 Pfünder. Also ist davon auszugehen, das zwei dieser Kanonen an der Göhrde beteiligt waren, da die 3eme den Hauptteil der Truppen stellte ist davon auszugehen, das es ihre Regimentsgeschütze waren. Es ist zudem Anzumerken, das der bisherige Divisionsgeneral Vichery durch Pecheux ersetzt wurde, sowie der Brigadegeneral der 1. Brigade Rome durch Mielzinski ersetzt wurde. Eine zweite Brigade hatte die Division nicht, jedoch waren den Regimentern der Brigade noch Soldaten hinzugefügt worden, welche am 01.08.1813 bei der Ordre de Bataille noch nicht bei den Gouvernementstruppen unter General de Division Hogendorp gelistet waren. Sie befanden sich wohl noch auf dem Weg nach Hamburg. In der Ordre de Bataille vom 15.08.1813 tauchen diese aber schon auf, nun auch im 13. Korps in der 50. Division gelistet.


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1.Brigade General de Brigade Mielzinski
3eme Ligne Colonel Ducouret:
Es ist aus den vielen verschiedenen Quellen bekannt das vier Bataillone der 3eme am Gefecht beteiligt waren. Davon waren im Hamburg das 2- 6 Bat. Stationiert.
Das 1. Bataillon war mitsamt dem Adler in Spanien 0 Mann
Das 2. Bataillon hatte 5 Offiziere 429 Mann in der 50.Division sowie
3 Offiziere und 210 Mann bei den Hamburger Gouvernementstruppen
Zusammen 8 Offiziere 639 Mann
Das 3. Bataillon hatte 5 Offiziere und 459 Mann in der 50.Division
sowie 3 Offiziere und 210 Mann bei den Hamburger Gouvernementstruppen
Zusammen 8 Offiziere 669 Mann
Das 4. Bataillon hatte 4 Offiziere und 509 Mann in der 50.Division
sowie 3 Offiziere und 208 Mann bei den Hamburger Gouvernementstruppen
Zusammen 7 Offiziere 717Mann
Das 5. Bataillon war 1813 immer das Depot Bataillon und diente zur Ausbildung, es hatte daher auch nur 4 Fusilierkompanien und wurde nicht in das Feld geführt
Es hatte auch nur 3 Offiziere und 113 Mann bei den Gouvernemnetstruppen.
0 Mann
Das 6. Bataillon hatte 8 Offiziere und 771 Mann in der 50. Division, aber
keine weiteren Soldaten bei den Gouvernementstruppen 8 Offiziere 771 Mann
Weiterhin verfügte die 3eme 1813 noch über zwei Bataillionskanonen aus 6 Pfündern, ob diese an der Göhrde eingesetzt wurden ist nicht genau bekannt, aber wie bereits oben geschildert sind zwei österreichische 6 Pfünder erbeutet worden. Ich gehe davon aus, daß es die der 3eme waren, daher werden diese zu der Ordre gerechnet. Es ist sehr wahrscheinlich daß diese zum Einsatz kamen,
daher 2 Offiziere 80 Mann

Das entspricht einem Total für die 3eme Ligne von 33 Offizieren und 2876 Mann und 2 österreichischen 6 Pfünder Kanonen
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105eme Ligne Major Ville:
Das 1. Bataillon war mitsamt dem Adler in Spanien.
Das 2. Bataillon war mit 2 Offizieren und 216 Mann bei den Gouvernementstruppen
Und somit auch zu schwach um als schlagkräftiges Bataillon marschieren zu können
daher 0 Mann
Das 3. Bataillon war mit 9 Offizieren und 710 Mann in der 50. Division, sowie mit 2 Offizieren und 215 Mann bei den Gouvernementstruppen, da ja nur ein Bataillon der 105 eme am Gefecht beteiligt war ist dies eine der beiden in Frage kommenden Bataillone.
daher 11 Offiziere 925 Mann
Das 4. Bataillon war mit 18 Offizieren und 635 Mann bei den Gouvernementstruppen
Hier wäre ein Einsatz möglich gewesen, jedoch ist bekannt, dass nur ein Bataillon der 105 am Gefecht an der Göhrde teilgenommen hat. Es ist sehr wahrscheinlich das dies das 3- Bataillon war, welches zur 50. Divison ohnehin gehörte,
daher 0 Mann
Das 5. Bataillon ist ja das Depotbataillon welches mit 4 Offizieren und 119 Mann bei den Gouvernementstruppen hatte. Die Depotbataillone dienten der Ausbildung,
daher 0 Mann
Das 6. Bataillon welches auch schon zur 50. Division gehörte ist das zweite in Frage kommende Bataillon welches an der Göhrde teilnahm. Da es aber gegenüber dem 3. schwächer war gehe ich davon aus das dieses Bataillon nicht in Frage kommt. Es hatte 11 Offiziere mit 734 Mann. hatte keine zusätzlichen Soldaten bei den Gouvernemetstruppen,
daher 0 Mann
Die Regimentartillerie war auch hier mit 2x 6 Pfünder Kanonen vorhanden, diese war aber den Gouvernementstruppen mit 2 Offizieren und 87 Mann unterstellt und nahm höchstwahrschein nicht teil, wie oben geschildert eher die der 3eme. Zudem gab es in Hamburg, wie allgemein ider französischen Armee von 1813 einen starken Mangel an Pferden, so auch an der erforderlichen Bespannung,
daher 0 Mann

Das entspricht einem Total für die 105eme Ligne von 11 Offizieren und 925 Mann



Die Doauniers:
Hier liegen in den von mir als Quellen zugrunde liegenden Material keine Angaben vor. Was bekannt ist nach der Ordre de Bataille vom 01.08.1813 das 9 Offiziere mit 472 Mann und 8 Pferden zu dem Zeitpunkt in Hamburg stationiert waren. Diese Zöllner waren zwar militärisch organisiert, aber es werden nur wenige am Gefecht teilgenommen haben, ich gehe davon aus das dies nicht mehr als maximal 1 Kompanie waren, eher weniger, ich gehe von max. 100 Mann aus,
daher ca.2 Offiziere 100 Mann

Das entspricht einem Total für die Douauniers von 2 Offizieren und 100 Mann


Artillerie der Division:

11. Kompanie der 8. Artillerie á piet (Fußartillerie) mit 4x 6 Pfünder Kanonen und einer 5,5 zoll Haubitze Diese Einheit hatte, jedoch keine nachweislichen Offiziersverluste die dies bestätigen würden. Aufgrund der teilweise überhöhten Angaben der Verbündeten an eroberten Kanonen werde ich diese Kompanie eher nicht mit einrechen. Der Grund des bereits weiter oben geschilderten Pferdemangels und das kein Offizier auch nur verletzt wurde lässt ich eher annehmen das sie nicht teilgenommen haben. Es wäre für Pecheux´s Unternehmung auch im Verhältnis zu den Zahlen an Infanterie eine eher ungewöhnlich hohe Anzahl an Kanonen, wenn man diese 5 Kanonen mit ihren 3 Offizieren und 109 Mann hinzurechen würde.
Also 0 Mann


4. Kompanie 1. Artillerie á Cheval (zu Pferd) mit 3x 6 Pfünder Kanonen und einer 5,5 zoll Haubitze
Mit 2 Offizieren und 80 Mann

4. Kompanie des 5.bis. Trainbataillon welches der Division angehörte, hier werden am 15.08.1813 aber nur 33 Mann geführt ohne Offiziere in Hamburg in der 50. Division. Aber es ist ja ein Offizier des 5. Trainbataillon an der Göhrde verwundet worden, daher wird diese Kompanie für den Auszug auf mögliche Kriegsstärke gebracht worden sein,
daher 2 Offiziere und 50 Mann

Das entspricht einem Total für die Artillerie und dem Train von 4 Kanonen mit 4 Offizieren und 130 Mann











Attaschierte Kavallerie zur 50. Division:
28eme Chasseurs a Cheval (Jäger zu Pferde)
In Hamburg im 13. Korps waren in der Kavalleriebrigade unter Brigadegeneral Lallemand 2 Eskadronen der 28er und zwar die 1. Eskadron und die 2. Eskadron mit 14 Offizieren und 321 Mann, diese hatten jedoch KEINE Pferde. Die 3. Eskadron gehörte zu den Gouvernementstruppen unter Hogendorp, sie hatten 8 Offiziere und 481 Mann, KEINE Pferde, die 4. und 5. Eskadron bei den Gouvernementstruppen hatten 28 Offiziere und 128 Mann mit nur 72 Pferden bei der 5. Eskadron. Total also 50 Offiziere 930 Mann jedoch nur 72 Pferde.
Es ist nicht genau zu sagen, welche Eskadron eingesetzt wurde, wahrscheinlich die 5. Eskadron, da sie über eigene Pferde verfügte und zudem die 4. Eskadron zur Ausbildung diente. Mit Sicherheit werden aber nicht mehr als 72 Mann insgesamt, aufgrund der wenigen vorhanden Pferde teilgenommen haben. Sicher ist das diese Einheit an der Göhrde keinen Adler führte, da die leichten Kavallerieeinheiten, zu denen die Husaren und Chasseurs a Cheval gehörten, diesen im Feld nicht führten.
Daher 7 Offiziere und 65 Mann

Das entspricht einem Total für die Kavallerie von 7 Offizieren und 65 Mann




Somit kommen wir auf eine Gesamtstärke der französischen Truppen an der Göhrde auf

Stab 10 Offiziere
Infanterie und Doauniers 46 Offiziere und 3901 Mann mit 2 Kanonen
Artillerie und Train 4 Offiziere und 130 Mann mit 4 Kanonen
Kavallerie 7 Offiziere mit 65 Mann

TOTAL: 67 Offiziere mit 4096 Mann und 6 Kanonen

Anmerkung: Mit der Zusammenstellung dieser Ordre de Bataille für die Göhrde, lassen sich alle preußischen Quellen als falsch darstellen, die von mehr als 5000 Franzosen und mehr als 10-15 erbeuteten Kanonen sprechen. Zudem lässt sich so nachweisen, das KEIN Adler der Franzosen auf dem Gefechtsfeld der Göhrde geführt wurde und daher hätte erbeutet werden können, wie einige preußische/hanoversche Quellen behaupten. Bataillonsfahnen wurden natürlich geführt und wahrscheinlich auch welche erbeutet. Sie hatten nur in der französischen Armee keine große Bedeutung, wie ein Adler oder eine preußische Regimentsfahne. Aber durch Überlieferungen in den Quellen machte man gern auf Seiten der französischen Gegner aus einer erbeuteten Regimentsfahne einen Adler.










QUELLENANGABE:

- Die französische Ordre du Bataille vom 01.08.1813 (Nachdruck)
- Die französische Ordre du Bataille vom 15.08.1813 (Nachdruck)
- Tableaux Par Coprs et par Batailles des Officiers Tués et blesse pedant la Guerre de l´Empire 1805 – 1815 (Martinien Tableaux), A.Martinien ca. 1890
- Tableaux Par Coprs et par Batailles des Officiers Tués et blesse pedant la Guerre de l´Empire 1805 – 1815 LISTE SUPPLÉMENT (Martinien Tableaux Ergänzungslite), A.Martinien 1909
- Hamburg 1813, Internetseite von Henrik Scharper
- Ein Beitrag zur Geschichte der Jahre 1813-1814, Paul Holzhausen 1892
- Die Schlacht bei der Göhrde 16. September 1813, Ein Heimatbuch und eine Festgabe, Benno Bode 1913
- Beiheft zum Militär- Wochenblatt 1897, von Estorff Generalmajor a.D. 1897
- Die Schlacht bei der Göhrde, 16. Sept. Der Hauptangriff nachmittags 5 ½ Uhr 1813, Claus Dietrich , Jahrgang ca. 1970er Jahre
- Diverse Kleinartikel
- Die Schlacht an der Göhrde, Ausarbeitung Rolf Fuhrmann, ca. 1990er Jahre
- Bundeswehr, eine Ausarbeitung über die Göhrde für Unterführer WWB 10/67
- Geschichte der Nord Armee im Jahre 1813, B. von Quistorp 1894
- The Greenhill Napoleonnic Wars Data Book, Digby Smith 1998
- Die große Zeit 1813 - 1815, Theodor Rehtwisch, 1913
- Die deutschen Befreiungskriege 1806 – 1815 zwei Bände, Hermann Mülller-Bohn 1901
- Napoléon 1813 La Campagne d´ Allemagne, Jean Tranié und J.C. Carmigniani
- Napoleons Regiments, Digby Smith 2000
- Napoleons Grande Armée of 1813, Scott Bowden 1990


Ausarbeitung von Günter Franke, Heide im Jahre 2016 schriftlich niedergelegt, in Jahren vorher ausgearbeitet.

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