Die Veteranen der Grande Armée

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Die Veteranen der Grande Armée

Beitrag von Caporal »

In Anbetracht der Tatsache, dass es unsere Gruppe bald 20 Jahre gibt und die dazugehörigen Grenadiere auch entsprechend älter geworden sind, habe ich mich gefragt, bis zu welchem Alter in der Grande Armée überhaupt gedient wurde. Die Strapazen für die Soldaten, von Verwundungen und Verstümmelungen mal abgesehen, waren ja ungeheuer groß. Kilometerlange Märsche zu allen Jahreszeiten, häufig unzureichende und mangelhafte Ernährung sowie katastrophale Quartiere (nicht selten schliefen die Soldaten unter freiem Himmel) waren häufig die Gründe, warum ein Soldat in späteren Jahren seinen Dienst in vollem Umfange kaum noch verrichten konnte. Selbst das Durchschnittsalter von der berühmten Alten Garde des Kaisers war bei der Schlacht von Waterloo nicht älter als 34 Jahre!

Was aber geschah dann aber mit diesen Soldaten, die diese Strapazen und Verletzungen aus Gefechten zwar relativ gut überstanden hatten, aber mit zunehmendem Alter den normalen Felddienst nur schwer ausüben konnten? Material konnte ich zu diesem Thema kaum finden. Dank Herrn Markus Stein (www.napoleon-online.de), der so Einiges dazu freundlicherweise zur Verfügung stellen konnte , war ich nun in der Lage, zu den Veteranen der Grande Armee Näheres in Erfahrung zu bringen.

Am 16. Mai 1792 werden die 90 Kompanien von Altgedienten, Versehrten und Festungsbesatzungen unter dem Namen „Nationale Veteranen“ neu organisiert und in entsprechende Kasernen unter dem Befehl eines Chefs de Departements untergebracht. Am 25. März 1800 müssen sich die alten Männer, die damals insgesamt 180 Kompanien umfassten, in zehn Demi-Brigaden (Halb-Brigaden) von je drei Bataillonen zu sechs Kompanien neu gruppieren. Diese Demi-Brigaden wurden seltsamerweise von einem Divisionsgeneral oder Brigadegeneral befehligt. Im Jahre 1799 hatte das Korps eine Stärke von 14.924 Mann.

Fast alle Verheirateten und Väter von Familien der Veteranen waren nicht regulär in untergebracht, nur die Ledigen lebten in den Kasernen. Dies verhinderte jedoch nicht, so schilderte der General Baraguey d´Hilliers am 20. Februar 1802 in seinem Bericht, dass die meisten Veteranen, die nicht versehrt waren, dahinvegitierten. Mehr als die Hälfte der Männer konnten keinen aktiven Dienst mehr leisten. Dazu herrschte großer Mangel an Disziplin. Am 21 April 1803 wurde durch General Berthier angeordnet diese Mißstände zu beseitigen.

Am 5. Dezember 1804 erhielten die drei Bataillone der 10. Demi-Brigade, die in Paris stationiert war, bei der allgemeinen Zeremonie ihre Adler. Im Laufe des Jahres 1805 wurde die restlichen Adler an die anderen Demi-Brigaden der Veteranen (ingesamt 27) ausgegeben.

Am 17. Mai 1805, waren sämtliche Veteranenkomapanien verstreut in den Städten und Küstenhäfenin des Landes untergebracht. Mittlerweile ist die Anzahl der Veteranenkompanien auf 100 angewachsen. Es gab nun 75 Füsilierkompanien und 25 Kompanien von der Artillerie. Beide Waffengattungen waren gut ausgebildet. Allerdings gab es nur ein Regiment Veteranen, welches mit seinen 3 Bataillonen in Paris kaserniert war.

Die 10 Demi-Brigaden waren im ganzen Land wie folgt verteilt:

Demi-brigade de vétérans, à Versailles
Les 1er et 2e bataillons à Versailles, le 3e à Laon.
Mouret (général de division), chef de brigade.

2. Demi-brigade de vétérans, à Lyon.
Le 1er bataillon à Besançon, le 2e à Lyon, le 3e à Poitiers.
Richon ( général de brigade), chef de brigade.

3. Demi-brigade de vétérans, à Tours.
1er bataillon à Tours, le 2e à Rennes, le 3e à Nantes.
N… chef de brigade.
Aubugeois (général de brigade, commandant le corps par intérim)

4. Demi-brigade de vétérans, à Paris.
Le 1er bataillon aux Invalides, le 2e au Luxembourg, et le 3e au Corps législatif.
Lasalle (général de brigade), chef de brigade.

5. Demi-brigade de vétérans, à Grenoble.
Le 1er bataillon à Grenoble, le 2e à Marseille, et le 3e à Montpellier.
O`Keeffe (général de brigade), chef de brigade.

6. Demi-brigade de vétérans, à Mézières.
Le 1er bataillon à Mézières, le 2e à Bruxelles, et le 3e à Liège.
Warnesson (général de brigade), chef de brigade.

7. Demi-brigade de vétérans, à Toulouse.
Le 1er bataillon à Toulouse, le 2e à Bordeaux, et le 3e à Périgueux.
Bedos (général de brigade), chef de brigade.

8. Demi-brigade de vétérans, à Abbeville.
Le 1er bataillon à Lille, le 2e à Rouen, et le 3e à Caen.
N… chef de brigade.

9. Demi-brigade de vétérans, à Sarrelibre.
Le 1er bataillon à Nancy, le 2e à Dijon, et le 3e à Coblentz.
Drouot-Lamarche (général de division), chef de brigade.

10. Demi-brigade de vétérans, à Paris.
Dupless (général de division), chef de brigade.

Durch das kaiserliche Dekret vom 31. Mai 1808 wurden nun die Veteranen neu organisiert. Die zehn Demi-Brigaden bestanden künftig aus drei Bataillonen zu je vier Kompanien (Jede Kompanie umfasste 140 Mann).

Auf Befehl des Kaisers vom 5. Mai 1810 wurden die Demi-Brigaden aufgelöst und durch Bataillone ersetzt. Gemäß dem Befehl des Kriegsministers Clarke mussten die Adler der Demi-Brigaden abgegeben werden. Nur die 10. Demi-Brigade blieb erhalten für künftige Paraden in Paris. Nach Angaben von Pierre Charrié im Jahr 1812 erhielt jedes Veteranenbataillon eine Fahne gemäß der Trikolore mit bestickten Goldmotiven. Auf der Rückseite waren keine Auszeichnungen von Schlachten erwähnt. Die Gründe sind leider nicht bekannt.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass die Veteranen wie alle Regimenter der Grande Armée nach der Abdankung des Kaisers sehr unter dem Zorn der Royalisten zu leiden hatten. Am 1. Juli 1814 wurden die Veteranen aus dem Dienst entlassen.

Am 20. Oktober 1804 in der Abbeville erschien der Adjudant Bertrand beim Brigadegeneral Pierre Marchais, der gerade eine Truppenrevue (Parade) der 8. Demi-Brigade der Veteranen abhielt. Der 44 jährige Marchais war durch seine vielen Verwundungen selbst zu einem Veteran geworden. Die 8. Demi-Brigade bestand zum damaligen Zeitpunkt aus 3 Bataillonen zu je 6 Kompanien. Ihre Aufgabe war die Überwachung der Küste von Flandern bis zur Normandie. Eine grosse Aufgabe, wenn man bedenkt, dass zur 8. Demi-Brigade nur 1.234 Mann zur Verfügung standen. Diese Brigade bestand aus Männern zwischen 32 und 79 Jahren und waren mehr oder weniger Invaliden!

Eine Veteranenkompanie bestand 1805 aus 120 Mann

1 Capitaine erster Klasse
1 Capitaine zweiter Klasse
1 Lieutenant erster Klasse
1 Lieutenant zweiter Klasse
1 Sergent-major
3 Sergents
1 Caporal-fourrier
6 Caporaux
2 Tambours
103 Veteranen

Der Regimentsstab bestand 1805 aus 20 Mann

1 Colonel
1 Major
3 Chefs de bataillon
1 Chirurgien-major
1 Chirurgien aide-major
1 Tambour-major
8 Musiciens dont un chef
4 Maitres-ouvriers

In Abbeville befand sich neben Brigadegeneral Marchais, der das 1 . Bataillon zusätzlich befehligte, auch der Stab der Demi-Brigade. Dieser setzte sich wie folgt zusammen: Ein Quartier-Maitre trésorier (Zahlmeister), eine Capitaine d´habillement (Bekleidungsoffizier), drei Capitaines en second, drei Lieutenants, zwei Offiziers de Santé (Sanitätsärzte), ein Caporal Tambour, drei Maitres Ouvriers (Waffenmeister, Schneider und Schuhmacher), ein Sergeant Major und einem Tambour. Hinter vorgehaltener Hand sagte Marchais über seinen Stab, das dieser recht gewöhnlich sei, aber durch seine Redlichkeit und mit viel Wohlwollen er gut für seine Soldaten war.

Wie schon erwähnt, bestand die 8. Demi-Brigade aus 3 Bataillonen mit insgesamt 18 Kompanien. Eine Kompanie bestand aus einem Capitaine, einem Capitaine en second, einem Lieutenant, einem Lieutenant en second, einem Sergeant Major, drei Sergeanten, einem Caporal Fourrier, sechs Caporäle, 64 Veteranen, zwei Tambours ein Kind der Truppe im Alter zwischen 6 und 14 Jahren. Insgesamt betrug die Truppenstärke 85 Offiziere und 1.395 Veteranen. Tatsächlich umfasste die 8. Demi-Brigade aber nur 76 Offiziere und 1.158 Mann.

Nach den Aufzeichnungen befanden sich in der Truppe gute Offiziere. Der Bataillonschef Coulombon vom 2. Bataillons war ein tapferer Offizier. Er hatte während der vorangegangenen Feldzüge viele Verwundungen erhalten. Guépard, Chef des 3. Bataillons kam allerdings aus der Verwaltung. Seit dem 16. Mai 1792 hatte die Veteranen eine reguläre Uniform. Sie folgte den späteren Modegeschmack wie in der normalen Truppe. Um 1808 erhielten die Veteranen den Tschako. Damit war die Zeit des lang getragenen Zweispitzes vorbei.

Gemäß der Order vom 25. März 1800 durften die ehemaligen Brigade- und Divisionsgeneräle, die jetzt bei den Veteranenbataillone ihren Dienst versahen, weiterhin Ihren alten Uniformrock tragen. Allerdings mussten die goldenen Stickereien und Epauletten durch silberne ersetzt werden. Inspiriert von den Uniformen der Offiziere der Alten Garde haben dann diese Generäle den Kragen und die Seiteneinteilung ihrer Uniform auf eigene Kosten mit versilberten Eichenblätter verzieren lassen.

Hier nun einige Einsätze der Veteranen in den letzten Jahren des Kaiserreichs:

1810

Am 8. März 1810 wurde aus römischen Veteranen ein neues Bataillon gebildet. Nach der Auflösung der 10 Demi-Brigaden und der Kompanien Piemont und Ligurien wurden wie gesagt 10 eigenständige Veteranen-Bataillone aufgestellt. Das 1. und 2. Bataillon blieben in Paris, das 3. diente im ehemaligen Piemont (29. Militärabteilung), das 4. wurde in der Brabanter Gegend eingesetzt, das 5. in Kompanien aufgelöst und an verschiedenen Orten eingesetzt. Das 6., 7., 8., 9. und 10. Bataillon bewachten jeweils die Arsenale der Hafenstädte von Antwerpen, Brest, Lorient, Rochefort und Toulon. Das römische Veteranenbataillon behielt seine Namensbezeichnung und hatte seinen Standort in Rom.

1811

Mit dem Dekret vom 3. Februar 1811 wurden drei neue Kompanien für die 32. Militärdivision in Hamburg, Bremen, Lübeck und Osnabrück geschaffen. Am 15. Juni 1811 wurde ein neues Bataillon, bestehend aus Holländern, zur Bewachung der Befestigungen des Hafens von Cherbourg aufgestellt.

1814

Im Rahmen der ersten Restaurierung wurden die 12.000 Veteranen zu 100 Kompanien mit je 120 Mann umstrukturiert (10 Kompanien Unteroffiziere, 80 Kompanien Füsiliere und 10 Kompanien Kannoniere).

In diesem Jahr waren Teile des Veteranenkorps in Kämpfe verwickelt. Ein britisches Landungskommando von über 4.500 Mann unter dem Kommando unter Sir Thomas Graham (Sieger in der Schlacht von Chiclana/Barrosa) wollte am 8. März 1814 die Stadt Bergen-op-Zoom von der Seeseite her einnehmen. Die 2.700 Mann starke Garnison unter General Bizanet schlug diesen Angriff erfolgreich zurück. Die Briten hatten einen Verlust von über 2.000 Mann zu verzeichnen und verloren dabei mehrere Fahnen! Unter den Garnisonstruppen befanden sich jeweils das 2. Bataillon der 4. und 6. Demi-Brigade der Veteranen mit 350 Mann. Sie sollen mit Bravour gekämpft haben.

1815

Am 20. Januar und am 20. Februar 1815 wurde die Anzahl der Kompanien der Kannoniere durch zwei Verordnungen auf 15 erhöht.

Während der Hundert Tage verstärkte eine große Anzahl von Veteranen die aktive Armee. Dadurch betrug die Stärke des Veteranen-Korps nicht mehr als 8.209 Mann.
Caporal L´Epaule
Interessen : Französische Revolution, Napoleonische Epoche, Amerikanischer Bürgerkrieg

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