Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

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André
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Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von André »

Es wanken sich viele Mythen und Geschichten über Hannibal und seine Karthager. Aber eines ist Gewiss:
Niemand erzürnte den Römischen Hochmut je mehr als Hannibal!

Ich persönlich sehe die Person Hannibal als den Fidel Castro der Antike. Er und der Aufstand der Karthager war ein mutiger Schritt gegen einen großen Gegner. Ein Imperium mit der bestausgestatteten und diszipliniertesten Armee der damaligen Welt. Die Karthager setzten damit ein Zeichen in alle unterdrückten Metropolen. Ein Zeichen von der Befreiung aus der Unterdrückung.

So siegten die Karthager 218 v.Chr. bei der Schlacht am Ticinus oder 216vChr. bei Cannae. Immer in Unterzahl.
Zuvor überschritten sie spektakulär mit 37 Elefanten die Alpen und erlitten riesige Verluste. Keltische Stämme schlossen sich den Karthager an.
202 v.Chr. verlor Hannibal die entscheidende Schlacht gegen den damaligen Feldherrn und Erzfeind, Scipio.

Aber wie hätte die Politik des Hannibal bei einem Sieg über die Römer ausgesehen? Wäre er auch dem Größenwahn verfallen oder hätte er Provinzen und imperiale Ansprüche aufgelöst?
Tiziateur
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von Tiziateur »

Wenn ich mich recht erinnere ist Cannae ein Sieg Hannibals durch doppelte Umfassung, also ausgehebelt an beiden Flanken, gewesen. Die Schlacht diente in der Napoleonik als Lehrbeispiel auf den seinerzeitigen Kriegsschulen.
Carmenta
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von Carmenta »

Hallo André,

da bin ich ein bisschen anderer Meinung. Nach meiner Ansicht ist Hannibal auf die römische Politik hereingefallen.

Mir Rücksicht auf ihren Kriegsgott Mars durften die Römer nämlich keine Angriffskriege führen, sondern sich nur verteidigen, sonst hätte Mars sie nicht unterstützt. Also mussten sie eine Situation schaffen, dass der Verteidigungsfall eintrat. Das taten sie mit dem Freundschaftsvertrag mit Sagunt. Die Römer haben in Spanien nur die Freiheit Roms verteidigt. (Auch heutzutage wird dieser Kniff gern angewendet, wenn man sich gegen ein weit entferntes Land mit reichen Ölvorkommen verteidigen muss, weil es mit Massenvernichtungswaffen droht ;) )

Was die Römer nicht berücksichtig hatten, waren die überragenden Fähigkeiten Hannibals. Der hätte sie ja beinahe besiegt. Aber der römische Schachzug, den Phöniziern eine ihrer Hauptgöttinnen (Tanith, Astarte) zu stehlen, brachte die Wendung. Die Römer eroberten den Berg Erynx auf Sizilien, wo der Tanith-Tempel stand, verwüsteten alles und brachten das Kultbild ("die Göttin") nach Rom. Damit war der Mut der Phönizier gebrochen.

Hannibal war eher das Opfer der verschiedenen politischen Spiele, die da gelaufen sind. Und die Römer haben ihren Einflussbereich bis nach Spanien erweitert.

Gruß
Carmenta
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Tiziateur
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von Tiziateur »

Hallo Carmenta,
Sehr schön, das klingt schlüssig, auch gefällt mir Dein netter Seitenhieb auf unser Trumpel-Tier!
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André
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von André »

@Tiziateur
@Carmenta

Danke für Eure Einschätzungen. Den Wink in Richtung USA fand ich super, Carmenta :D
Das Mars solch eine große Rolle spielte , wusste ich gar nicht? ! Aber die Zeichen der Gottheiten wurden spätestens mit dem Ende der Republik bei Seite gelegt. Denn ab da wurde nur noch Angriffskrieg und Imperialismus par exellence geführt. Bzw vorher auch schon.

Tiziateur, danke für den Hinweis. Ich muss nochmal nachschlagen. Aber nach meiner Erkenntnis handelte es sich um 80.000 Legionäre und 50.000 Karthager/Söldner. Zumindest bei einer der Schlachten. Aber stimme Dir voll und ganz zu
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von Carmenta »

André hat geschrieben: So Feb 09, 2020 4:25 pm Das Mars solch eine große Rolle spielte , wusste ich gar nicht? ! Aber die Zeichen der Gottheiten wurden spätestens mit dem Ende der Republik bei Seite gelegt. Denn ab da wurde nur noch Angriffskrieg und Imperialismus par exellence geführt. Bzw vorher auch schon.
Nein. Die Römer haben niemals einen Angriffskrieg geführt, immer nur Verteidigung von Verbündeten oder römischen Interessen oder als "Vorwärtsverteidigung" bei vermuteten Angreifern.
Ich habe sogar schon einmal im Netz eine bayrische Schulaufgabe für Lateinschüler gefunden, die heraussuchen sollten, an welchen Stellen im "De Bello Gallico" Caesar beweist, dass er keinen Angriffskrieg führt, sondern nur verteidigt.
Mars war nach dem Ende der Republik und der Aufgabe der Bürgerwehr zugunsten einer Berufsarmee sogar wichtiger als während der Republik. Während Mars zuvor nicht innerhalb der Mauern der Stadt kommen durfte (alle seine Rituale wurden auf dem Marsfeld vor der Stadt durchgeführt), wurde im Jahr 2 v. Chr. der Tempel des Mars Ultor (Mars der Rächer) auf dem Augustus-Forum geweiht. Alle Wagenrennen bis zum Ende Westroms waren religiöse Rituale für Mars.
Praktisch jede Kolonialstadt hatte einen Marstempel und wenn sie einen Circus hatten, war er Mars geweiht.

Wie ich schon in dem Aufsatz über die römische Religion schrieb, gab es bei den Römern nichts, was nicht religiös war.

Gruß
Carmenta
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André
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von André »

Ich danke Dir für die Berichtigung! Wieder was dazugelernt!
Gut.... "Vorwärtsverteidigung" setze ich trotzdem mit Angriffskrieg gleich ;)
Aber als was muss ich denn dann eigentlich die Invasion von Britannien durch Cäsar 55 und 54 v.Chr. sowie später unter Claudius betrachten? Soweit ich weiß gab es vor der Invasion weder Diplomatie noch Verträge..?
Carmenta
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von Carmenta »

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André
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von André »

Die Römer waren schon gerissen :mrgreen:
Würdest Du sie als Gründer des antiken Imperialismus bezeichnen? So sehe ich sie jedenfalls
Carmenta
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Re: Politik des Hannibal bei einer Eroberung Roms

Beitrag von Carmenta »

Imperialismus ist ein Begriff des 19. Jahrhunderts. Er passt in keiner Richtung auf die Römer. Inwiefern haben sie den eroberten Völkern geschadet?

Ohne das römische Reich, die PAX AUGUSTAE, den Straßenbau und ihre ganze Kultur hätte es nie eine Ausbreitung des Christentums gegeben. Und obwohl es bei uns kaum noch eine Rolle zu spielen scheint, profitieren wir immer noch davon. Oder wolltest du wieder die 7-Tage-Arbeitswoche?

Gruß
Carmenta
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